Boykott in Argentinien droht: Zorn richtet
sich gegen Verbands-Chef Julio Grondona
- Auch Diego Maradona kritisiert allmächtigen Boss
- "Er ist zu mafiös, um ihn aus der AFA rauszukriegen"

Diego Armando Maradona hat den immer mehr unter Druck geratenden argentinischen Fußball-Verbandschef Julio Grondona scharf kritisiert. "Grondona ist zu mafiös, um ihn aus der AFA rauszukriegen", sagte der Weltmeister von 1986 dem Fernsehsender TyC. Nachdem der Verband auf die Gewalt in den Stadien mit dem Ausschluss der Gäste-Fans zu den Liga-Spielen vorerst bis zum Saisonende reagiert hatte, drohen die Spieler nun mit einem Boykott.
Doch Maradona räumt allen Versuchen, den schon seit 1979 dem Verband vorstehenden Grondona zum Umdenken zu bewegen, so gut wie keine Chance ein. "Wenn man ihn drängt, sagt er: Achtung, ich bin nicht der Präsident der AFA, sondern der Vizepräsident der FIFA. So droht er allen Argentiniern", sagte der Ex-Profi über Grondona, der pikanterweise auf der Homepage des Fußball-Weltverbandes FIFA Maradona als seinen "Lieblingsspieler aller Zeiten" bezeichnet. Versuche, den allmächtigen AFA-Boss seines Amtes zu entheben, könne es viele geben, "aber wie soll man es anstellen?" fragte Maradona.
Die Spieler-Gewerkschaft FAA nannte klare Bedingungen, damit die Profis am kommenden Wochenende wie geplant antreten. "Erstens fordern wir die Sicherheit vor, während und nach dem Spiel und in den Trainingsstätten. Zweitens, dass wir wieder Fußball mit heimischen und Gäste-Fans erleben, denn man kann nicht alle bestrafen wegen einer Minderheit", sagte FAA-Geschäftsführer Sergio Marchi nach einem Krisen-Gipfel mit Grondona. Und: "Wenn die Punkte nicht erfüllt werden, wird am nächsten Spieltag nicht gespielt."
Grondona fordert Ruhe
Man müsse wieder zur Ruhe kommen, betonte Grondona, der vor dem Treffen klargestellt hatte, dass Teams, die nicht antreten, mit Punktabzug rechnen müssten. "Priorität hat, dass sich alles wieder normalisiert." Niemand wolle, dass der Fußball ins Stocken gerate. Weitere Maßnahmen will er mit dem AFA-Exekutivkomitee besprechen.
Seit langer Zeit tobt in den argentinischen Stadien eine Welle der Gewalt. Immer wieder kam es zu Spiel-Abbrüchen oder -Absagen wie am Wochenende, als Fans die Mannschaftsbusse der Erstliga-Teams von Racing und San Lorenzo blockiert hatten und die AFA die ohnehin wegen früherer Randale unter Ausschluss der Öffentlichkeit angesetzte Partie streichen mussten. Mit dem Stadionverbot für Gäste-Fans hatte Grondona den Missmut im ganzen Land auf sich gezogen.
(apa/red)
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