Polizist erschießt Fußball-Fan: Bei
Krawallen nach UEFA-Cup-Spiel in Paris
- Beamter wurde als "dreckiger Neger" beschimpft
- Für Polizeigewerkschaft "legitime Selbstverteidigung"
Ein Polizist in Zivil hat einen Fußball-Fan des französischen Erstligisten Paris St. Germain bei Auseinandersetzungen nach dem UEFA-Cup-Spiel gegen Hapoel Tel Aviv (2:4) erschossen und einen zweiten Anhänger schwer verletzt.
Nach Angaben der Polizei wollte der Beamte einem israelischen Fan zu Hilfe kommen, der von etwa 150 gewaltbereiten PSG-Anhängern bedroht wurde. Als der Polizist dann von den Parisern angegriffen wurde, habe er zunächst von Tränengas Gebrauch gemacht und danach zwei Schüsse abgegeben. Einer davon traf den PSG-Fan tödlich. Die Polizeigewerkschaft sprach von "legitimer Selbstverteidigung".
"Das war ein Schuss aus Verzweiflung", teilte dazu die Polizeigewerkschaft Alliance zu den Vorgängen nach der Heimniederlage des Pariser Klubs mit. "Er ist von 150 aufgeheizten Typen angegangen worden, und wenn er nicht geschossen hätte, wäre er dabei draufgegangen." Der Gewerkschaftschef Frederic Lagache betonte auch, dass der nicht als Polizist erkennbare Beamte sich mit Tränengas aus der Affäre habe ziehen wollen. "Das hat aber nicht gereicht, und dann hatte er Angst um sein Leben."
"Dreckiger Neger"
Der Journalist Philippe Broussard vom Magazin "L'Express" hat das Geschehen als Augenzeuge beobachtet. "Das ist ein Bulle" und "dreckiger Neger" hätten die Angreifer geschrien, berichtet der Journalist auf der Website des Nachrichtenmagazins. Erst während des Tumults sei den Tätern klar geworden, dass es sich bei dem etwa 30-jährigen Mann mit der Tränengasbombe um einen Polizisten handelte.
"Dutzende von Personen stürmten auf ihn ein und wollten ihn wegen seiner Hautfarbe angreifen", erklärte Broussard auf die Frage, ob es Notwehr gewesen sei. Mit den Worten "Bleib' hinter mir, bleib' hinter mir" habe der Mann den Tel-Aviv-Fan geschützt, sei dann aber selbst "in Panik geraten". In der Nähe des Busbahnhofs Porte de Saint-Cloud sei der Polizist von Angreifern eingeholt worden. Aus etwa 50 Metern Entfernung hörte der Reporter den Ruf "Er hat eine Knarre, er hat eine Knarre", gefolgt von einem Schluss.
Der getötete Fußballfan war 24 Jahre alt, der schwer verletzte 26-Jährige, der in ein Spital eingeliefert wurde, ist außer Lebensgefahr. Die beiden Opfer waren bekannte Gesichter in der bei rechtsextremen PSG-Anhängern beliebten Prinzenpark-Fankurve "Boulogne".
Todesschütze in Polizeigewahrsam
Der Todesschütze, der von den Antillen stammt, ist in Polizeigewahrsam. Auch von acht Pariser Hooligans, die noch am Abend festgenommen worden waren, hielt die Polizei am Freitagvormittag noch fünf wegen "rassistischer und antisemitischer Beleidigungen" fest, teilte die Pariser Polizeipräfektur mit. Der selben Polizeiquelle nach wurde der Polizist in Zivil "verletzt und geschlagen".
Anhänger des Pariser Klubs sind als gewalttätig bekannt. Es kommt rund um das Prinzenpark-Stadion im Pariser Westen immer wieder zu schweren Auseinandersetzungen unter Fans. Der Präsident der französischen Fußball-Liga, Frederic Thiriez, verlangte eine vollständige Aufklärung des Vorfalls. "Fußball ist nicht Hass und kann kein Krieg sein", mahnte er.
(apa/red)
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