Freitag, 24. November 2006

Quo vadis Sturm Graz? Traditionsklub aus Steiermark steuert weiter nahe am Abgrund

  • Landeshaftung für Verein derzeit auf Eis gelegt
  • Kartnig ortet "reine Intrige von Finanzbeamten"

Auf die jüngsten Entwicklungen rund um Sturm Graz hat nun auch die steirische Politik reagiert. Er hoffe, dass die Geschehnisse unter dem alten Vorstand des SK Sturm nicht dem neuen Vorstand und dem Verein schaden würden, erklärte Sportlandesrat Manfred Wegscheider gegenüber der APA. Unter den derzeitigen Umständen und solange der Fall nicht geklärt sei, könne die Haftung des Landes Steiermark von 1,2 Millionen Euro allerdings nicht zum Tragen kommen, fügte der Politiker hinzu.

Der Staatsanwalt sei jedoch - was die in dem Zwischenbericht der Finanzbehörden erhobenen Vorwürfe betreffe - noch nicht tätig geworden. Die Bundesliga hielt sich mit Äußerungen über die jüngsten Geschehnisse rund um den aktuellen Tabellenachten, der mit drei Minus-Punkten wegen Verstößen gegen Verpflichtungen aus dem Lizenzierungsverfahren in die Saison gestartet war, zurück. "Wir wollen die Entwicklungen um die Privatperson Hannes Kartnig nicht kommentieren. Für uns ist jetzt der Masseverwalter Norbert Scherbaum die Spitze des Vereins. Ihn unterstützen wir und mit ihm sowie mit dem neuen Klubpräsidenten Hans Fedl stehen wir in ständigem Kontakt", sagte Liga-Sprecher Christian Kircher.

"Reine Intrige"
Die "Kleine Zeitung" hatte berichtet, dass auf Grund des seit 9. Oktober vorliegenden Zwischenberichts der Finanzbehörde über die Jahre 1998 bis 2001 Ex-Klub-Präsident Hannes Kartnig "offenbar keinen Unterschied" zwischen privaten Verbindlichkeiten, seiner Grazer Werbefirma "Perspektiven" und dem Verein gemacht habe. Karting wies diese Vorwürfe über seine Rechtsanwälte zurück und meinte später in einer Stellungnahme im ORF: "Das ist eine reine Intrige von Finanzbeamten, die mich fertig machen wollen."

Inzwischen ist auch der Masseverwalter des SK Sturm, der Grazer Rechtsanwalt Norbert Scherbaum, von der Finanzverwaltung über die Ermittlungen im vor der Konkurseröffnung begonnenen Lohnsteuerprüfungsverfahren informiert worden. Die Ermittlungen der Finanzverwaltung seien noch nicht abgeschlossen und gestalten sich auf Grund der Komplexität und der Zusammenhänge der einzelnen Prüfungsverfahren äußerst schwierig.

Scherbaum werde als Masseverwalter seinem gesetzlichen Auftrag entsprechend sämtliche Haftungsansprüche zu Gunsten der Gläubiger prüfen. So ferne diese Prüfungen Indizien bzw. Ansätze einer haftungsrechtlichen Inanspruchnahme einzelner Verantwortlicher ergeben, werde der Masseverwalter diese Haftungsansprüche auch geltend machen und durchsetzen, hieß es in einer Mitteilung der Kanzlei Scherbaum/Seebacher. Sachbearbeiterin Hermine Pfeifer sagte, dass die Veröffentlichung der Finanzbehörde keinen Einfluss auf die Arbeit habe.

Frist abgelaufen
Die Frist der Gläubigerforderungen ist bereits abgelaufen. Der nächste Schritt im Verfahren wird am 7. Dezember mit der Berichtstagsatzung gesetzt, wenn Sturm die Finanzierbarkeit eines Zwangsausgleiches darstellen muss. Die Schulden beliefen sich nach der ersten Versammlung der Gläubiger am Grazer Handelsgericht vom 7. November auf rund 5,2 Mio. Euro. Eine Investoren-Gruppe um den steirischen Transportunternehmer Fedl, der die Nachfolge von Kartnig als Sturm-Präsident antrat, hat beim Masseverwalter eine Fortführungskaution von etwa 750.000 Euro hinterlegt.

(apa)

24.11.2006 17:16