"Jetzt nur nicht abheben!": ÖSV-Damen-Slalomcoach bernd Brunner im Interview
- Erfolgscoach beim Training für Aspen gerammt
- Levi-Dreifachsieg abgehakt, Kritische Worte zur FIS
·Aspen: Kroatin Fleiss kracht in ÖSV-Coach!
Verletzungspech: Reißt sich das Kreuzband
·Erster Weltcup-Sieg von Zettel in Aspen!
Poutiainen, Kirchgasser & Hosp folgen - Schild out
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Bernd Brunner ist seit vier Jahren Coach der österreichischen Slalomdamen. 2002 hatte der gebürtige Osttiroler in einer schwierigen Zeit die Nachfolge von Mathias Berthold angetreten. Der Slalom-Dreifachsieg zuletzt in Finnland ist der aktuellste Beweis dafür, dass die ÖSV-Mädchen, die bei Olympia in Salt Lake City 2002 noch völlig im Niemandsland waren, unter Brunner auf dem Weg zur Nummer eins sind.
Doch der 35-Jährige ist bekannt für seine realistische Sichtweise. Deshalb dämpft er vor den beiden Weltcup-Rennen am kommenden Wochenende in Aspen auch die Levi-Euphorie und verweist im APA-Interview lieber auf die Umstände, die seiner Meinung nach für den ersten Dreifachsieg der ÖSV-Slalomdamen seit über 16 Jahren mitbestimmend waren.
Am Tag, an dessen Ende er nach der gefährlichen Pisten-Kollision mit der Kroatin Nika Fleiss beim Training in Colorado auf seinen zweiten Geburtstag anstieß, ging Brunner aber auch mit einigen Entwicklungen im Skisport insgesamt kritisch ins Gericht. Einige hält der Tiroler, der Leibeserziehung und Geschichte studiert hat, gar für "Irrsinn." Nika Fleiss zog sich laut erster Diagnose einen Kreuzbandriss zu.
APA: Ein böser Schock im Training, wie haben sie den Unfall mit der Rennläuferin Nika Fleiss erlebt?
Brunner: "Ich habe mit dem Rechen auf unserer Piste gearbeitet, die noch nicht für den Start frei gegeben war. Sie ist auf dem
Parallelkurs gefahren und hat mich regelrecht "verräumt". Ich glaube
zwar nicht, dass ich bewusstlos war, aber ich weiß nichts mehr. Ich
weiß nur noch, dass wir plötzlich beide dagelegen sind und sie laut
geschrien hat."
APA: Wie schwer sind ihre eigenen Verletzungen?
Brunner: Zunächst habe ich nicht viel gespürt, weil ich einen
ziemlichen Schock hatte. Ich habe aber eine Schuhrandprellung und
beim Duschen sind einige Striemen am Rücken und am Fuß aufgetaucht."
APA: Vorwürfe an irgendwen?
Brunner: "Nein. Keiner kann etwas dafür. Ich war auf unserer Piste,
sie hatte daneben verschnitten und dann keine Kontrolle mehr über die
Ski. Sie hat ein volles Rad geschlagen und mich dabei halt
mitgerissen."
APA: In Aspen stehen zwei Wochen nach dem Dreifach-Erfolg im
Levi-Slalom gleich zwei Rennen aus ihrem Bereich an. Liegt die Latte
nicht unerträglich hoch?
Brunner: "Für mich nicht. In Levi hat an einem Tag viel
zusammengestimmt. Ich werde deshalb auch nicht verzweifeln, wenn
keine in den Top-5 ist. Das kann durchaus passieren."
APA: Was hat denn in Levi so sehr zusammengepasst?
Brunner: "Viele hatten noch Abstimmungsprobleme mit ihren Ski, es war dort doch sehr glatt. Wir sind vom Material her aber sehr, sehr gut bedient. Marlies ist zudem überragend gefahren. Ich glaub eher
nicht, dass wir so stark waren, sondern, dass die andern noch nicht
alles gebracht haben."
APA: Gehen uns durch die Ausfälle und Rücktritte schön langsam die Gegnerinnen aus?
Brunner: "So etwas ist bedauerlich und immer schade, aber es ist Teil des Sports. Ich gehe jetzt sicher nicht her und sage, dass der
Sieg nur noch die Hälfte wert ist, nur weil Einige nicht dabei oder
noch nicht in Form sind. Es waren auch bei uns schon Einige verletzt,
auch eine Marlies Schild hatte schon Rückschläge und musste Rennen
auslassen."
APA: Die FIS reformiert gerade wieder einmal den Skisport....
Brunner: "Es geht mir ziemlich am ... vorbei, was da vom Dachverband
passiert. Man merkt, dass viele, die dort entscheiden und Dinge
absegnen, beim Sport gar nicht dabei sind. Gerade wird auch am Slalom
herumgedoktert. Wir sind dort vom Tempo her viel zu hoch. Aber das,
was jetzt beschlossen wurde, bewirkt genau das Gegenteil. Das ist
Irrsinn."
APA: FIS-Präsident Kasper hält die Überlegenheit des ÖSV für
kontraproduktiv.
Brunner: "Ich will das gar nicht groß kommentieren. Da liest einer die Ergebnisliste und weiß nicht, wie sie zu Stande gekommen ist.
Vier Schwedinnen waren in den Top-13. Wenn's anders läuft, sind zwei
davon am Stockerl, dann wäre von einer ÖSV-Dominanz keine Rede
gewesen."
APA: Was kann man von ihren Mädchen in Aspen erwarten, speziell von den drei "Levi-Girls"?
Brunner: "Schild, Hosp und Zettel sowie Görgl können auch in Aspen aufs Podest fahren. Auch Alex Meissnitzer fährt sehr gut, sie hat
aber eine höhere Startnummer. Renate Götschl fährt besser als in den
vergangenen Jahren, für ganz vorne dürfte es aber noch nicht reichen.
Kirchgasser und Fischbacher sind noch nicht so ganz super in Form,
sie sind aber noch jung."
APA: Und das 17-jährige Jahrzehnte-Talent Anna Fenninger?
Brunner: "Ein wunderbares Mädel. Freundlich, klug, talentiert. Ich bin ganz begeistert von ihr. Sie muss aber gerade verkraften, dass
sie derzeit öfter einen auf den Deckel kriegt als sie es gewohnt war.
Sie hat noch viel zu lernen und das tut sie auch. Sie muss
verkraften, dass sie im Sommer und Herbst zwei, drei Sekunden hinten
war. Das hat sie jetzt aber akzeptiert, ich mach mir um sie keine
Sorgen."
APA: Wie verhindert man, dass in Aspen alles andere als ein weiterer Dreifachsieg als Rückschlag gewertet wird?
Brunner: "Levi ist abgehakt. Ich sage den Mädchen eh bei jedem Training und damit öfter, als sie es hören wollen, dass sie nicht
abheben sollen."
(apa/red)
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