Mittwoch, 22. November 2006

Jetzt geht der Weltcup-Winter richtig los:
Lake Louise Auftakt zu Nordamerika-Rennen

  • Maiers "Schwitzkur" vor Start der Speed-Bewerbe

Jetzt geht der alpine Weltcup-Winter so richtig los. Die Weltcup-Stationen in Nordamerika sind trotz eigener Wetterprobleme bereit für die Rennen. Ab Samstag finden in Lake Louise (Kanada) sowie Aspen und Beaver Creek (Colorado) zehn Weltcup-Rennen innerhalb von neun Tagen statt. Danach geht es durch bis zum Finale Mitte März in Lenzerheide.

Die Voraussetzungen sind neu, denn ab dieser Saison wird für die Startnummern im Rennen auch in der Abfahrt die Weltrangliste herangezogen. Der weltbeste Abfahrer, Michael Walchhofer, startet damit ebenso automatisch als 30. und Letzter der Topfavoriten wie eine Woche später nach dem Rücktritt von Michaela Dorfmeister die US-Amerikanerin Lindsey Kildow bei den Damen.

Während Benjamin Raich und Co. aus Colorado in die 160 Kilometer westlich der Olympiastadt Calgary liegende, kanadische Skistation einflogen, düste Hermann Maier von Kalifornien aus zu seinem ersten Saisonrennen. Maier hatte nach dem intensiven Ski-Training in der Höhenlage Colorados noch einen dreitägigen Aktivurlaub in Los Angeles eingelegt.

"Schwitztour" für Maier
"Lauschige 22 Grad" meldete Begleiter und Pressebetreuer Walter Delle-Karth, was den Kurzurlaub "irgendwo zwischen Santa Monica und Venice Beach" für den an Asthmaproblemen leidenden Maier zu einer willkommenen "Schwitztour" machte, hatte es doch davor in Copper Mountain bis zu 15 Minusgraden gehabt. "Es war eine spontane Entscheidung, die dem Hermann sehr sehr gut tut. Eine kurze, aber wichtige Pause, bevor es richtig los geht. Jetzt kann er volle Wäsche angreifen", so Delle Karth.

Lake Louise erlebt diese Woche auch die Rückkehr eines halben Lazarettes. Mario Scheiber, der sich vor fast genau einem Jahr in Kanada das Kreuzband gerissen hatte, Hans Grugger und Klaus Kröll sind ebenso wieder mit dabei wie der unverwüstliche Kärntner Werner Franz, der damit eine weitere seiner unglaublichen Comeback-Storys schreibt.

Im August 2005 hatte der schon mehrfach abgeschriebene Kärntner beim Sommertraining in Chile fast ein Bein verloren. Ob der 34-jährige Kärntner am Samstag in der Abfahrt startet, ist offen. Aber mehr, weil mit Raich, Scheiber, Romed Baumann und Co. immer mehr Allrounder auf die Abfahrt drängen denn aus sportlicher Qualifikation. Franz ist immer noch 14. der Disziplinen-Weltrangliste und zusammen mit Scheiber damit der fünftbeste ÖSV-Abfahrer. Und die Strecke in Lake Louise ist nicht sonderlich schwer.

Therapie für Franz
"Skifahren ist für mich die beste Therapie", erklärte Franz, warum er nach wie vor dabei ist. Und natürlich sei damals sein erster Gedanke gewesen: "Jetzt reicht's endgültig." Aber: "Ein Patrick Ortlieb hat nach seinem schweren Sturz gleich aufgegeben. Für mich ist Training und Skifahren hingegen die die beste Therapie, ich wollte ja wieder gesund werden", so der Familienvater aus Weißbriach, der von seiner Familie nach wie vor volle Unterstützung erfährt. Franz: "Wenn es trotzdem nichts mehr wird mit dem Rennfahren, spring ich auch nicht vom Balkon."

(apa/red)

22.11.2006 10:48