Dienstag, 21. November 2006

Schwimm-Star Ian Thorpe hört auf: Australier beendet überraschend Karriere

  • Sport sei nicht mehr wichtigste in seinem Leben
  • Mehrfacher Weltrekordler und Olympia-Sieger

Der vermutlich beste Krauler aller Zeiten hat seinen Rücktritt bekannt gegeben. Ian Thorpe zog einen Schlussstrich hinter eine Schwimm-Karriere, in der er fünffacher Olympiasieger und elffacher Weltmeister geworden war. Dieser Schritt im Alter von 24 Jahren resultiert aus Rückschlägen nach in jüngster Zeit erlittenen Krankheiten und Verletzungen sowie einem Mangel an Motivation.

"Schwimmen ist nicht mehr das Wichtigste in meinem Leben", erklärte "Thorpedo" vor rund 200 Medien-Vertretern. "Es mag nicht die beste Zeit sein, um sich vom Sport abzuwenden. Aber für mich ist es der beste Moment." Erst am Sonntag habe sich der Inhaber von drei Individual-Weltrekorden zu diesem Schritt entschieden, zwei Wochen vor den nationalen Ausscheidungen für die Langbahn-WM im März in Melbourne.

Den Titelkämpfen in seiner Heimat fehlt nun ein großes Zugpferd, auf heimischem Boden war Thorpe auch international erstmals groß in Erscheinung getreten. Bei der WM 1998 in Perth holte er sich den Titel über 400 m Kraul, wurde mit 15 Jahren und drei Monaten zum jüngsten Schwimm-Weltmeister überhaupt. Von da an nahm die Karriere des Ausnahme-Talents ungebremst seinen Lauf, ehe sie unvermutet schon bei Olympia 2004 in Athen endete.

Spitz-Rekord unerreicht
Bis dahin prägte Thorpe den Schwimmsport sechs Jahre lang wie kein anderer in dieser Zeit. An 23 Weltrekorden war er beteiligt, 13 in Einzelrennen. Mit zwei Einzel- und drei Staffel-Goldenen brachte er bei Olympia 2000 in Sydney abermals seine Landsleute zum Jubeln, seinen Leistungszenit erreichte er 2001 bei der WM in Fukuoka mit sechsmal Gold. Danach wurde mit der Verbesserung des Marks-Spitz-Rekords von siebenmal Olympia-Gold spekuliert.

Doch das blieb für Thorpe unerreicht, auch weil er als Kraul-Spezialist kaum die Chance dazu hatte. Er holte zwar dreimal WM-Gold 2003 in Barcelona und zwei Olympia-Titel 2004, aber nach der selbst verordneten einjährigen Auszeit kam er auch wegen einer Virus-Erkrankung und einen Handbruch nicht mehr auf Touren sowie zu internationalen Wettkämpfen. "Ich schließe ein Comeback nicht aus, aber es wird nicht passieren", erklärte er nun.

Damit verpasst der Athlet mit dem schwarzen Schwimm-Anzug und Schuhgröße 52 die Chance, in Peking 2008 als erster männlicher Schwimmer bei drei Olympischen Spielen en suite Gold zu gewinnen. Viele wichtige Australier bedauerten Thorpes Entscheidung, wie Schwimm-Legende Dawn Fraser oder sein erster Trainer Doug Frost: "Als ich ihn als Achtjährigen das erste Mal gesehen habe, war mir klar, dass er für Großes bestimmt ist."

Für Zukunft gut ausgesorgt
"Ich habe begonnen, mich nicht mehr nur als Schwimmer, sondern auch als Person zu sehen", meinte Thorpe nun zum Ende seiner Laufbahn, nach der er sich keine Sorgen zu machen braucht. Denn viele seiner zahlreichen Werbeverträge laufen unabhängig vom aktiven Schwimmen. Zudem wird er weiter für einen Pay-TV-Sender arbeiten. Und seit Jahren hat er eine Stiftung zur Hilfe benachteiligter Kinder.

(apa/red)

21.11.2006 13:43