Correa neuer Präsident in Ecuador: Links- kandidat gewinnt gegen Noboa mit 56% klar
- Streit um Stimmzettel: Gegner wollte Neuauszählung
Der linksgerichtete Wirtschaftsexperte Rafael Correa hat die Präsidentenwahl in Ecuador nach Hochrechnungen mit etwa 56 Prozent deutlich gewonnen. Über die Auszählung der Stimmzettel brach jedoch Streit aus, weil der unterlegene konservative Milliardär Alvaro Noboa eine Neuauszählung der Stimmen forderte. Correa hatte sich jedoch schon am Wahlabend zum Sieger erklärt. "Ich danke Gott und den Menschen für diesen klaren Sieg", betonte der scharfe Kritiker der USA.
Nach Auszählung von 54,39 Prozent der Stimmen liege Correa bei 66,35 Prozent der Stimmen, teilte die Zentrale Wahlkommission mit. Noboa erzielte demnach 33,65 Prozent. Allerdings waren die Ergebnisse in Noboas Hochburgen, den Provinzen Guayas, Los Ríos und Manabí, dabei kaum berücksichtigt, weil die Auszählung dort wegen der Proteste Noboas unterbrochen worden war. Als realistischer galten inoffizielle Hochrechnungen auf Grund einer Parallelauszählung, die Correa bei 56,4 Prozent und Noboa bei 43,6 Prozent sahen.
Die Zentrale Wahlkommission ordnete die sofortige Wiederaufnahme der Stimmenauszählung auf Grund der Wahlakten an. Eine erneute Öffnung der Wahlurnen und eine langwierige Auszählung aller Stimmzettel sei vom Gesetz nur bei begründetem Verdacht für Wahlbetrug vorgesehen. Dies sei aber nicht der Fall.
Wegen des deutlichen Vorsprungs wurde Correa von den Medien jedoch schon seit dem Wahlabend als "gewählter Präsident" bezeichnet. Seine Anhänger hatten ihren Kandidaten in der Nacht schon landesweit mit Hupkonzerten und spontanen Straßenfesten gefeiert.
Das Land lasse "endlich die lange neoliberale Nacht" hinter sich, sagte der Freund des linkspopulistischen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez. Er proklamierte eine "Bürgerrevolution" für mehr soziale Gerechtigkeit und nationale Selbstbesinnung und kündigte dafür die Einberufung einer verfassunggebenden Versammlung an.
Unter seiner Präsidentschaft werde Ecuador der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) wieder beitreten. Die Last der Auslandsschulden will Correa durch Verhandlungen und notfalls durch ein Moratorium mindern. Das fast fertige Freihandelsabkommen mit Washington werde er nicht unterzeichnen.
Ecuador, das vor allem vom Erdölexport lebt, war in den vergangenen Jahrzehnten von großer politischer Instabilität geprägt. Die letzten drei Präsidenten wurden gestürzt.
(apa/red)
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