Donnerstag, 23. November 2006

Keine Überlebenden bei Grubenunglück: Alle 23 Bergarbeiter tot aus Schacht geborgen

  • Präsident Kaczynski ruft dreitägige Staatstrauer aus
  • Schwerster Grubenunfall in Polen seit 1979

Das schwere Bergwerksunglück in Polen hat keiner der verschütteten Arbeiter überlebt. Die Suchmannschaften fanden die Leichen von weiteren 17 Bergleuten, die nach der Methangasexplosion noch vermisst worden waren. Damit stieg die Zahl der Toten auf 23. Das Grubenunglück ist das schwerste in Polen seit 27 Jahren. Präsident Lech Kaczynski rief eine Staatstrauer bis Samstag aus und kündigte umfassende Ermittlungen an.

Die Suche nach den Vermissten konnte erst wieder aufgenommen werden, nachdem die Gaskonzentration in den Stollen zurückgegangen war. Drei Bergungsteams stiegen dann wieder mehr als einen Kilometer tief in die Halemba-Grube in Ruda Slaska ein. Sie arbeiteten sich mehr als drei Stunden lang durch hunderte Meter Schutt, bis sie schließlich nach und nach alle Opfer fanden, wie Zbigniew Madej mitteilte, der Sprecher der Betreibergesellschaft. Die Suche war wegen des Risikos weiterer Explosionen zunächst eingestellt worden.

"Damit geht dieser sehr traurige Tag zu Ende", sagte Madej. "Niemand verspürt Erleichterung, sondern uns lastet ein großes Gewicht auf dem Herzen." Die Rettungskräfte hätten unter sehr schwierigen Bedingungen bei hohen Temperaturen und hoher Feuchtigkeit gearbeitet. Ob die Bergleute bei der Explosion oder den anschließenden Einstürzen ums Leben kamen, war nach Angaben der Rettungskräfte zunächst nicht klar.

Die Kohlegrube Halemba wurde 1957 in Betrieb genommen und ist damit eine der ältesten in Polen. Schon im Jahr 1990 wurden in dem Bergwerk 19 Arbeiter bei einer Gasexplosion getötet, 1991 kostete ein Grubenunglück fünf Menschen das Leben. Bei einem der schwersten Bergwerksunglücke in Polen kamen 1979 in der Dymitrow-Mine in Bytom (Beuthen) 34 Kumpel bei einer Kohlestaubexplosion ums Leben.

Der betroffene Schacht der Halemba-Mine war bereits im März aus Sicherheitsgründen geschlossen worden, wie der Chef der staatlichen Betreibergesellschaft, Grzegorz Pawlaszek, sagte. Dort sei jedoch Gerät im Wert von 70 Millionen Zloty (17 Millionen Euro) zurückgelassen worden, das die Arbeiter am Dienstag holen sollten, als sich die Explosion ereignete. (apa)

23.11.2006 12:38