Freitag, 15. Dezember 2006

Europäischer Drogenbericht: Erstkontakte mit Drogen beim Clubbing und im Urlaub

  • Suchtgiftpolitik muss auch Mischkonsum einbeziehen
  • Jährlich gibt es 7.000 bis 8.000 Drogentote in Europa

Drogenersatz- und Spritzentauschprogramme etc. haben in den vergangenen Jahren in Europa zu einem Rückgang bei der Zahl der Drogentoten geführt. So sank ihre Zahl in den Jahren 2000 bis 2003 um jeweils sechs bis 13 Prozent. Allerdings kam es laut den neusten vorliegenden Zahlen laut dem europäischen Drogenbericht 2003/2004 wieder zu einem Anstieg um drei Prozent. "Im Durchschnitt werden in Europa jährlich zwischen 7.000 und 8.000 Drogentote registriert. Das sind drei Prozent aller Todesfälle bei Erwachsenen unter 40. In Dänemark, Griechenland, Luxemburg, Malta, Österreich, Großbritannien und Norwegen erreicht dieser Anteil allerdings sieben Prozent", wird in den Unterlagen festgestellt.

Für Jugendliche sind die größten Gefährdungszonen für den Kontakt mit illegalen Suchtgiften Tanzveranstaltungen wie Clubbings etc. "Über 60 Prozent der Clubbesucher, die in einigen Milieus in Frankreich, Italien und dem Vereinigten Königreich befragt wurden, gaben an, sie hätten mindestens einmal in ihrem Leben Kokain ausprobiert. Über die Hälfte der Clubbesucher, die in der Tschechischen Republik, Frankreich, Ungarn, den Niederlanden, und dem Vereinigten Königreich befragt wurden, erklärten, sie hätten bereits Ecstasy konsumiert, eine Droge, die in den meisten Szenen mittlerweile beliebter ist als Amphetamine." In Tschechien probierten 45 Prozent der Befragten LSD in solchen Clubs, in Frankreich 55 Prozent "Magic Mushrooms".

Ähnlich bedenklich wird es für die Jugendlichen Europas im Urlaub. Die EU-Drogenfachleute: "In Spanien ist der Freizeitdrogenkonsum rund um die Touristenorte am Mittelmeer am höchsten und in Schweden, wo der Drogenkonsum im europäischen Vergleich relativ niedrig ist, haben laut einer Studie 23 Prozent der Jugendlichen, die illegale Drogen ausprobiert haben, dies zum ersten Mal im Ausland getan. Im Rahmen einer in Großbritannien durchgeführten Studie wurden junge Urlauber befragt, die aus Ibiza zurückkehrten. Dabei stellte sich heraus, dass die Häufigkeit des Drogenkonsums insgesamt im Urlaub höher war als zu Hause. Beispielsweise konsumierte über ein Drittel der Ecstasy-Konsumenten (37 Prozent) die Droge im Urlaub an fünf oder mehr Tagen pro Woche und damit mindestens fünf Mal öfter als zu Hause (sieben Prozent bei Aufenthalt im Großbritannien)."

Alles das spielt sich allerdings in einem Umfeld ab, in dem es bei weitem nicht nur um illegale Drogen geht. Vielmehr wird immer mehr die Gesamtsicht - samt Alkohol und Tabak und Medikamenten - wichtig. Wolfgang Götz, Direktor der europäischen Drogenbeobachtungsstelle: "In einer eingehenden Analyse der heutigen Drogenpolitik berichten wir über deutliche Hinweise auf eine Ausweitung des Umfangs dieser Strategien, um legale Suchtmittel wie Alkohol, Tabak und Medikamente ebenso abzudecken wie illegale Drogen. (...) Es ist eindeutig an der Zeit für eine solche Entwicklung, bedenkt man, dass der Mehrfachkonsum legaler und/oder illegaler Substanzen ("polyvalenter Drogenkonsum") innerhalb der europäischen Drogenkultur immer deutlicher sichtbar wird."

Und schließlich geht es auch um gleiche Chancen für Abhängige auf eine Therapie. Hier gibt es Defizite. Speziell Frauen finden solche Angebote zumeist nur in Städten. 20 Prozent der in Behandlung stehenden Drogenabhängigen sind Frauen. Positiv hervorgehoben wird in dem Bericht auch Österreich, wo Patientinnen für die Zeit der Therapie auch Hilfe bei der Betreuung ihrer Kinder bekämen.

(apa/red)

15.12.2006 15:40