Freitag, 15. Dezember 2006

Europäischer Drogenbericht: Produktion von Suchtgift übertrifft illegalen Bedarf

  • Preissturz bei allen Drogen wird verzeichnet
  • Herstellung von Opium und Kokain im Überfluss

Suchtgifte werden ein Europa immer billiger. Vor allem deshalb, weil in Afghanistan immer mehr Opium und in Südamerika immer mehr Kokain produziert werden. Die afghanische Heroin-Produktion könnte sogar schon den Marktbedarf überschritten haben. Jugendliche kommen mit Drogen oft erstmals bei Tanzveranstaltungen und im Urlaub in Kontakt. Abhängige Frauen haben im Vergleich zu männlichen Süchtigen weniger Chancen auf eine Therapie. Das sind Hauptpunkte des Jahresberichts 2006 über den Stand der Drogenproblematik in Europa, der von der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) in Brüssel veröffentlicht wurde.

Die Experten der in Lissabon stationierten Beobachtungsstelle haben für die Jahre 1999 bis 2004 die Entwicklung bei den Preisen für illegale Drogen in Europa analysiert. Fazit: "Der Straßenpreis für illegale Suchtgifte ist in den vergangenen Jahren gefallen und wahrscheinlich so niedrig wie noch nie." So sackte der Preis für Cannabis-Harz um 19 Prozent ab, jener für Kokain um 22 Prozent und für braunes Heroin sogar um 45 Prozent. Bei Amphetamin gab sank der Preis um 20 Prozent und für Ecstasy um 47 Prozent. Übrigens, die Inflationsrate wurde eingerechnet.

Allerdings gibt es von Droge zu Droge große Unterschiede: Zahlt der Cannabis-Konsument in Portugal für ein Gramm Cannabis-Harz 2,3 Euro, sind es in Norwegen zehn Euro. Kokain kostet je Gramm in Belgien 41 Euro, aber 100 Euro in Zypern, Rumänien und Norwegen. Die am häufigsten verwendete Heroin-Form (braun) hat in der Türkei einen Preis von zwölf Euro und einen von 141 Euro in Schweden.

Die Gründe für die Entwicklung liegen zu einem Gutteil in der ungehemmten Produktion der illegalen Drogen. "Das in Europa verwendete Heroin wird vorwiegend in Afghanistan produziert, das weltweit an der Spitze bei der 'Versorgung' mit illegalem Opium steht. Im Jahr 2005 dürfte der Anteil des Landes an der illegalen Opium-Produktion 89 Prozent betragen haben (4.100 Tonnen). Die jüngste Analyse des UN-Suchtstoffkontrollrates deutet darauf hin, dass die jüngste Erhöhung der (Heroin-)Produktion gar schon dazu führen könnte, dass die weltweit verfügbaren Mengen sogar schon den Bedarf überschreiten." Zwar stieg auch die Menge des beschlagnahmten Heroins. Doch das waren in Europa im Jahr 2004 etwa 19 Tonnen - und nur ein minimaler Teil des importierten Suchtgifts.

Auch immer mehr Kokain gibt es. Die Fachleute: "Die weltweite Kokain-Produktion ist laut UN-Suchtstoffkontrollrat im Jahr 2004 auf 687 Tonnen gestiegen, wobei Kolumbien (56 Prozent), Peru (28 Prozent) und Bolivien (16 Prozent) die Hauptlieferanten sind." 2004 wurden in Europa 74 Tonnen Kokain beschlagnahmt. Das waren um 20 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Vor allem 15- bis 34-jährige Männer aus dem urbanen Bereich sind die Konsumenten. Nach Cannabis ist Kokain bereits die am zweithäufigsten verwendete Droge.

(apa/red)

15.12.2006 15:40