Dienstag, 21. November 2006

"Vermisste" Segler offenbar Betrüger: Boot in Kroatien mit gefälschten Pässen gemietet

  • Verschwundene Personen gehen niemandem ab

Nach wie vor ist jene Gruppe vermeintlicher Österreicher im adriatischen Meer verschollen, die am 18. November eine gecharterte Yacht in Dubrovnik hätte zurückgeben sollen. Wie bekannt wurde, ist unklar, ob es sich tatsächlich um eine sechsköpfige Gruppe aus Österreich handelt. Eine Überprüfung der bei dem Bootsvermieter angegebenen Namen, Geburtsdaten und Passnummern habe ergeben, dass "es diese Leute nicht gibt", sagte Gerald Hesztera, Sprecher des Bundeskriminalamts zur APA.

Nicht nur die Identitäten der Crew-Mitglieder dürften gefälscht sein, auch der Skipper-Schein des "Kapitäns" ist "nicht korrekt", sagte ein Sprecher der "Nationalen Agentur für Sicherheit und Rettung am Meer" auf APA-Anfrage. Die Behörde ist nach wie vor auf der Suche nach den Vermissten.

Seit 4. November, als die Gruppe von Split aus gestartet war, gab es zu der Schiffsbesatzung keinen Kontakt. "Die Mobiltelefone sind nicht erreichbar, auch der Funk auf dem Boot funktioniert nicht", so der Sprecher. Die Segelyacht "OCEANIS Clipper 510" der Marke Beneteau sei von keinem anderen Schiff in der Adria gesichtet worden. Einen kroatischen Hafen soll das Boot auch nicht angelaufen sein.

"Normalerweise würden in so einem Fall Anfragen von Angehörigen kommen. Irgendetwas stimmt da nicht", meinte der Sprecher. Tatsächlich ist diesbezüglich aber keine einzige Vermisstenmeldung bei der Polizei oder beim Außenministerium eingegangen, hieß es dort. Es sei möglich, dass es sich um einen Diebstahl handle, man könne aber nicht ausschließen, dass das Boot in Seenot geraten sei, so der Sprecher der Agentur. Dagegen spricht, dass es in der Adria in den vergangenen Wochen keine Unwetter gegeben hat, die für ein robustes Schiff gefährlich hätten werden können.

Die kroatischen Behörden müssen nun wohl das Betrugsdezernat einschalten, sagte Oberst Hesztera. Gegenstand von polizeilichen Ermittlungen sei unter anderem, wie die Gruppe vorgegangen ist. Man wisse nicht ob tatsächlich sechs Personen das Schiff gechartert haben oder weniger, sagte der BK-Sprecher. Die Miete für das Boot sei im Voraus bezahlt worden, sagte ein Angestellter des betroffenen Geschäfts "Adria Coral Charter".

(apa/red)

21.11.2006 18:50