Montag, 20. November 2006

Keine Ruhe in Südkärnten: Aufregung um einsprachige Aufschrift auf Amtshaus

  • Disput zwischen Bürgermeister & Slowenenvertreter
  • Pfarrer sorgte für Wirbel bei der Segnung

In Südkärnten herrscht erneut Aufregung um zweisprachige Aufschriften. Diesmal geht es allerdings nicht um Ortsbezeichnungen in Deutsch und Slowenisch, sondern um ein neues Amtsgebäude. Auf diesem findet sich nur die deutschsprachige Bezeichnung "Gemeindeamt", nicht aber die slowenische. Bei der Einweihung des neuen Gebäudes war es am Wochenende zu einem Wirbel gekommen, als der katholische Pfarrer in einem T-Shirt mit der Aufschrift "Kärnten/Koroska" den Segen vornahm. Nun entschuldigte er sich dafür.

Konkret geht es um das neue Amtsgebäude der Gemeinde Feistritz ob Bleiburg, das in der Ortschaft St. Michael ob Bleiburg steht. Auf diesem prangt über der Eingangstür in Großbuchstaben das Wort "Gemeindeamt". Zusätzlich sind auf der gläsernen Eingangstüre die Bezeichnungen "Gemeindeamt Feistritz ob Bleiburg/ Obcinski Urad Bistrica nad Pliberkom" sowie "Amtsstunden / Uradne ure" und "Bürgermeister / Zupan" mit der Dauer der jeweiligen Sprechstunden angebracht. Diese Aufschriften fanden sich auch in ähnlicher Form auf dem alten Amtsgebäude.

Die Slowenen hatten sich beim neuen Gemeindeamt aber eine etwas andere Vorgangsweise erhofft, und zwar nach dem Vorbild des Kindergartens und der Volksschule. Dort sind auf den Gebäuden direkt überhaupt keine Aufschriften angebracht, wohl aber vor den Häusern zweisprachige Tafeln. "Diesen Kompromiss hätten wir uns auch für das neue Amtsgebäude gewünscht", sagte Vladimir Smrtnik, Gemeinderat in Feistritz und Obmann der slowenischen Einheitsliste/Enotna lista (EL).

Anders sieht dies Bürgermeister Friedrich Flödl, Chef einer Bürgerliste. "Es soll so bleiben wie bisher", also nur eine deutschsprachige große Aufschrift über dem Eingang. Die Zusatzaufschrift auf der Tür sowie die kommende Tafel vor dem Gebäude mit zweisprachiger Aufschrift müssten ausreichend sein. Immerhin habe diese Regelung auf dem alten Amtsgebäude seit der Abtrennung von Feistritz von der Stadtgemeinde Bleiburg 1991 Gültigkeit gehabt, erläuterte Flödl im Gespräch mit der APA.

Den Einwand, dass es sich bei dem bisherigen Amtsgebäude um ein von der Gemeinde gemietetes Privathaus gehandelt und der Eigentümer für zweisprachige Aufschriften kein Verständnis gezeigt habe, ließ der Bürgermeister nicht gelten. Hingegen weist EL-Chef Smrtnik darauf hin, dass es sich jetzt um ein Gebäude handelt, welches von der öffentlichen Hand errichtet wurde.

Ausgebrochen war der jüngste Disput durch das Verhalten des katholischen Geistlichen bei der Einweihung des neuen Amtsgebäudes am Wochenende. Pfarrer Franc Kramberger hatte ein T-Shirt mit der Aufschrift "Kärnten/Koroska" sowie ein in den Nationalfarben Sloweniens geschmücktes Holzkreuz getragen, als er die Segnung vornahm. Das hatte zu heftigen Protesten geführt, Landeshauptmann Jörg Haider (B) sprach von einer "inakzeptablen Provokation durch einen Repräsentanten der römisch-katholischen Kirche" und nannte Kramberger einen "nationalslowenischen Pfarrer".

Kramberger wurde wegen seines umstrittenen Auftritts zu Bischof Alois Schwarz zitiert und entschuldigte sich für seine Aktion. Der Pfarrer habe "die Wahl der Mittel" bei der Segnung "ausdrücklich bedauert und als unangemessen eingestanden", hieß es seitens der Diözese. Der Bischof erklärte, dass das Verhalten Krambergers nicht mit einer Segnung vereinbar sei und von vielen zu Recht als verletzende und unkorrekte Provokation empfunden werde.

Aufschriften auf öffentlichen Gebäuden in Südkärnten könnten auch in Zukunft für Diskussionen sorgen. Aus der Topographieverordnung zum Volksgruppengesetz geht nämlich nicht hervor, ob in Gemeinden mit einem bestimmten Prozentsatz an slowenisch sprechender Bevölkerung nur die Ortsbezeichnungen zweisprachig sein müssen oder überhaupt alle öffentlichen Aufschriften.
(APA/red)

20.11.2006 16:26