Mittwoch, 15. November 2006

Nach einem Jahr Licht am Tag herrscht
immer noch Skapsis bei den Autofahrerklubs

  • ARBÖ: Mitgliederbefragung; ÖAMTC: Musterverfahren
  • Nur KfV meint: Befürchtungen haben sich nicht erfüllt

Seit rund einem Jahr muss in Österreich beim Autofahren auch am Tag das Licht aufgedreht werden. Am 15. November des Vorjahres trat eine entsprechende Bestimmung in Kraft. Bei den Autofahrer- und Verkehrsorganisationen räumt man heute fast durch die Bank ein, dass sich die Maßnahme bewährt hat, allerdings gibt es auch immer noch Skeptiker. So startet der ARBÖ eine Mitgliederbefragung und der ÖAMTC führt Musterverfahren wegen zu hoher Strafen. Positiv bewertet wird die Vorschrift vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV).

Laut ÖAMTC-Jurist Martin Hoffer sei "Licht am Tag" für viele Autofahrer ein Reizthema, woran die Exekutive nicht ganz unschuldig sei. Seit Beginn der Strafsanktionen im April 2006 sind vielen Lichtsündern ungerechtfertigt hohe Strafen ins Haus geflattert. 15 Euro Organmandat seien zwar in einem Erlass des Verkehrsministeriums angeordnet worden, da aber keine definitive Anhaltepflicht vorgesehen sei, bekämen viele Lenker Anzeigen mit Strafen bis zu 60 Euro zugeschickt. Der Club fordert "mehr Augenmaß" und führt nun einige Musterverfahren für verärgerte Mitglieder. Auch fordert er einheitliche Strafen für alle Bundesländer.

ARBÖ
Auch beim ARBÖ sind zahlreiche Mitglieder immer noch über die Verpflichtung zu Licht am Tag erbost. Da die kritischen Mails und Anrufe nicht abreißen würden, startet die Autofahrerorganisation nun eine umfassende Mitgliederbefragung, wie Geschäftsführer Leo Musil gegenüber der APA ankündigte. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollen mithelfen, diese umstrittene Maßnahme, der der ARBÖ nach wie vor skeptisch gegenübersteht, zu bewerten.

Der ARBÖ bleibt bei seiner Kritik: Während die zusätzlichen Kosten fix seien, stehe der Zugewinn an Sicherheit nicht fest. Wie die Statistik Austria erhoben habe, seien die Preise für Autoersatzlampen im August 2006 verglichen mit dem Vorjahr um ganze 7,9 Prozent gestiegen. Zudem müsse bei manchen Automodellen auch noch Geld für den Einbau der Lampen ausgegeben werden. Außerdem stößt sich auch der ARBÖ an den uneinheitlichen Strafen.

Kuratorium für Verkehrssicherheit
Nach wie vor von der positiven Wirkung der Lichtpflicht überzeugt ist das KfV. "Die Befürchtungen vieler Skeptiker, dass es einen rasanten Unfallanstieg geben würde, haben sich nicht erfüllt", stellte Direktor Othmar Thann fest. Für das ganze Jahr 2006 rechnet das KfV mit einem Rückgang bei Unfällen und Getöteten, was jedoch das Ergebnis verschiedener Maßnahmen der vergangenen Jahre darstelle, wie Thann einräumte. Welchen Anteil Licht am Tag daran hat, soll eine Evaluierungsstudie zeigen, die - wie bei der Einführung beschlossen - im nächsten Jahr durchgeführt werden soll.

Licht am Tag in fast ganz Europa
Österreich ist mit der Vorschrift zu Licht am Tag dem Beispiel vieler anderer europäischer Länder gefolgt. Mittlerweile gibt es in Dänemark, Estland, Finnland, Island, Italien, Kroatien, Lettland, Mazedonien, Norwegen, Russland, Schweden, Slowenien, Ungarn und Tschechien eine ganzjährige Lichtpflicht. Vor kurzem hat auch Litauen das bisher saisonale Lichtgebot auf das ganze Jahr ausgedehnt. (APA/red)

15.11.2006 11:08