Sonntag, 19. November 2006

Am Wiener IMP bewiesen: Kampfeslust und Paarungsverhalten hängen eng zusammen

  • Sex und Aggressivität von selben Genen gesteuert
  • Erkenntnisse aus Versuchen mit Fliegen gewonnen

Was Verhaltensforscher längst als gegeben annehmen, ist jetzt auch auf genetischer Grundlage ziemlich eindeutig bewiesen: Sex und Aggression werden als sehr ursprüngliche Instinkte von den selben Erbanlagen gesteuert - zumindest bei der Fruchtfliege Drosophila melanogaster. Das haben Wissenschafter des Instituts für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien herausgefunden.

Bereits im Juni vergangenen Jahres haben der nunmehrige IMP-Chef Barry Dickson und sein Team beschrieben, wie das "fruitless"-Gen (fru) das Sexverhalten der Fruchtfliegen steuert. Weibliche Insekten mit der weiblichen Genvariante verhalten sie wie Weibchen, züchtet man aber weibliche Drosophilas mit dem männlichen fru-Gen benehmen sie sich im Paarungsverhalten wie Männchen.

Jetzt hat Eleftheria Vrontou aus dem Team um Dickson diese Arbeiten auf das Aggressionsverhalten von Drosophila melanogaster ausgedehnt. Die Wissenschafter berichten davon online in "Nature Neuroscience".

Der Ausgangspunkt: Im Kampf um Ressourcen liefern sich die Fruchtfliegen manchmal harte Fights. Doch Männchen kämpfen nicht gegen Weibchen, Weibchen nicht gegen Männchen. Außerdem sind die Kampfstrategien unterschiedlich. Männchen "boxen" gegen ihre Gegner, Weibchen benutzen eher Kopfstöße und das Abdrängen der Rivalin. Männchen etablieren über ihren ersten Erfolg gegen einen Gegner eine Dominanz-Herrschaft, die auch weitere Kämpfe für es positiv ausgehen lässt, bei den Weibchen kann sich das Blatt hingegen auch wieder wenden.

Die Wissenschafter züchteten nun Drosophila-Männchen und -Weibchen auch mit den fru-Genen des anderen Geschlechts und verglichen in Beobachtungskammern per Video das Aggressionsverhalten.

Dabei stellte sich im Grund das selbe wie bei den Tests über das Sexualverhalten heraus: Weibchen mit dem männlichen fru-Gen fühlten sich sexuell von Weibchen angezogen, sie kämpften auch wie die Männchen. Die Wissenschafter: "Ob sie nun um sexuelle Kontakte werben oder kämpfen, sie benehmen sich wie Männchen."

Aggressionsverhalten sei also - wie Eleftheria Vrontou und die Co-Autoren feststellen - fix im Fliegengehirn verschaltet. Die fru-Gene würden hier die Hauptrolle spielen. Und schließlich hingen eben Sex und Aggression bei den Drosophilas eng zusammen - wie dies auch scheinbar bei Säugetieren der Fall wäre.

(apa)

19.11.2006 22:47