Freitag, 17. November 2006

VW-Aufsichtsrat bestellt neuen Chef: Ab 1. Jänner hat Martin Winterkorn das Kommando

  • Pischetsrieder ab 2007 nicht mehr im Aufsichtsrat
  • Vertrag von Bernhard soll kein Thema gewesen sein

Nach den Turbulenzen der letzten Tage hat der VW-Aufsichtsrat nun mit mehreren Beschlüssen vorerst für Ruhe und Planungssicherheit gesorgt: Audi-Chef Martin Winterkorn wurde wie erwartet zum 1. Januar 2007 zum neuen Vorsitzenden des Konzern-Vorstands ernannt. Der bisherige Amtsinhaber Bernd Pischetsrieder verlässt die Konzernleitung. Außerdem stimmten die VW-Aufseher Investitionen von 25 Mrd. Euro bis zum Jahr 2009 zu. Der laut Medienberichten rücktrittswillige VW-Markenchef Wolfgang Bernhard bleibt vorerst im Amt.

Pischetsrieder verlässt den Vorstand zum 31. Dezember 2006. Er werde aber weiterhin für den Konzern tätig sein und "Aufgaben im Interesse des Konzerns wahrnehmen", hieß es weiter. So vermeidet VW Abfindungszahlungen in Millionenhöhe, da Pischetsrieders Vertrag noch fünf Jahre läuft.

Der Aufsichtsrat genehmigte außerdem Investitionen im Kernbereich Automobile in Höhe von 24,7 Mrd. Euro in den kommenden drei Jahren. Davon sind Sachinvestitionen 17,7 Mrd. Euro, 10,7 Mrd. Euro gehen nach Deutschland. Der größte Teil der Gelder fließt in die Entwicklung neuer Modelle. Außerdem steht eine neue Motorengeneration an und der Umbau der Getriebefertigung wegen des Erfolges der Doppelkupplungstechnik.

Der Aufsichtsrat genehmigte auch den Bau eines Werkes in Indien bis 2009. Angesichts hoher Einfuhrzölle kann VW den wachsenden Markt dort nur so erschließen.

Winterkorn folgt Pischetsrieder
Mit der Aufsichtsratssitzung enden turbulente Tage für VW: Kurz zuvor wurde völlig überraschend der Abgang von Pischetsrieder bekannt, das mächtige Aufsichtsratspräsidium hatte das auf Druck von Aufsichtsratschef Ferdinand Piech beschlossen. Ersetzt wird er durch den Piech-Vertrauten Winterkorn.

Kurz danach wurden erste Pläne Winterkorns bekannt, der die Konzernführung stärker zentralisieren will, während Pischetsrieder auf Verantwortung vor Ort gesetzt hatte. Gleichzeitig setzten Spekulationen über einen möglichen Abgang des erfolgreichen, aber unbeliebten Sanierers Bernhard ein. Dies bestätigte sich bisher nicht.

Anschließend meldete Hauptaktionär Porsche einen erneut gestiegenen Anteil an VW und den weiteren Zukauf auf bis zu 29,9 Prozent. VW-Aufsichtsratschef Piech ist Großaktionär bei Porsche. Zusammen mit der Berufung seines Vertrauten Winterkorn wurde die Aufstockung als Beginn einer Machtübernahme von Piech in Wolfsburg gedeutet.

(apa/red)

17.11.2006 16:40