Freitag, 17. November 2006

Gehaltskonflikt im Handel eskaliert: GPA bastelt an Aktionsplan für Forderungen

  • Umfangreichen Informationskampagne gestartet
  • PLUS: KV-Verhandlungen im Handel abgebrochen

Der Gehaltskonflikt im Handel eskaliert: Nach dem Abbruch der Kollektivvertragsverhandlungen für rund 450.000 Handelsangestellte und rund 100.000 Beschäftigte in verwandten Berufen hat die Gewerkschaft mit einer umfangreichen Informationskampagne begonnen. Mitte der kommenden Woche werden die Arbeitnehmervertreter im Rahmen einer Pressekonferenz ihren "Aktionsplan" zur Durchsetzung ihrer Forderungen bekannt geben, so der zuständige Verhandler in der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA), Manfred Wolf, zur APA.

Welche Maßnahmen das sein werden, wollte Wolf noch nicht sagen. Nur so viel: "Sie werden sicher nicht erst im Jänner stattfinden". Mit dem Abbruch der KV-Verhandlungen müsse der Handel wissen, auf was er sich in der Vorweihnachtszeit einlasse, hieß es aus Verhandlungskreisen.

Die KV-Verhandlungen wurden bei einem Arbeitgeber-Angebot von 2,25 Prozent abgebrochen. Damit seien die Verhandlungen für einen neuen, per 1. Jänner 2007 gültigen Kollektivvertrag gescheitert, teilte die Wirtschaftskammer (WKÖ) mit. Es gebe auch keinen weiteren Verhandlungstermin. Grundsätzlich gelte damit der derzeit bestehende Kollektivvertrag unbefristet weiter. Die Wirtschaftskammer empfiehlt ihren Mitgliedern, insgesamt eine Reallohnerhöhung per 1. Jänner 2007 auf Basis des alten KV-Vertrages vorzunehmen.

So eine Situation habe es im Handel noch nie gegeben, so Wolf. Es sei derzeit völlig offen, ob es per Jahreswechsel für die Beschäftigten eine Gehaltserhöhung geben werde. Das Arbeitgeberangebot sei vor allem im Vergleich zu anderen Abschlüssen zu wenig gewesen, so Wolf. Er sei bitter enttäuscht. Im Vorjahr habe der Abstand zu den Metallern bei einem Handels-Abschluss von 2,65 Prozent 0,45 Prozentpunkte betragen. Heuer haben die Metaller mit 2,6 Prozent plus einer gewinnabhängigen Einmalzahlung von 100 Euro abgeschlossen. Bei den deutlich besseren Ergebnissen müsste der Abstand heuer kleiner ausfallen, so Wolf.

Die Arbeitgeberseite habe ihr Angebot im Vergleich zur Vorwoche unverändert gelassen, so der GPA-Chefverhandler Felix Hinterwirth gestern nach dem Verhandlungsabbruch. Es wurden nur "technische Veränderungen" vorgenommen, in der Substanz habe sich nichts geändert. Es sei bereits im Vorjahr knapp gewesen, jedes Jahr das Diktat der Arbeitgeber hinzunehmen, sei nicht möglich.

Dennoch ist die Gewerkschaft jederzeit für weitere Gespräche bereit. Der erste Schritt müsse aber von den Arbeitgebern kommen. "Die Tür ist noch nicht ganz zu", so Wolf.

Der Abbruch der KV-Verhandlungen durch die Gewerkschaft gefährde die Zukunft des Handels, so heute, Freitag, der Geschäftsführer des Handelsverbandes, Stefan Mumelter, in einer Aussendung. Er fordert eine Rückkehr zum Verhandlungstisch. Da nun aber ein Inkrafttreten eines neuen KV-Vertrages per 1. Jänner 2007 unmöglich sei, werde der Handelsverband - eine freiwillige Interessenvertretung von mehr als 150 großen Handelsbetrieben in Österreich - seinen Mitglieder empfehlen eine freiwillige Gehaltserhöhung per Jahreswechsel um 2,2 Prozent vorzunehmen.

(apa/red)

17.11.2006 12:55