Donnerstag, 23. November 2006

Neue FORMAT-Export-Serie: Geschäfte ohne
Grenzen - Österreich erobert Auslandsmarkt

  • Totaler Boom: Hundert Milliarden Euro Ausfuhren
  • PLUS: Wo Exporteure Hilfe beim Einstieg bekommen

Teil 1 der neuen Export-Serie von FORMAT: Wie Österreichs mittelständische Unternehmen die Auslandsmärkte erobern. Unternehmer berichten von stolzen Zuwachsraten im Exportgeschäft. Insgesamt belaufen sich Österreichs Ausfuhren heuer nach Expertenschätzungen erstmals auf mehr als 100 Milliarden Euro - ein Rekordwert.

Vor allem die Märkte in Osteuropa, Asien und USA legen sehr dynamisch zu - manche sogar bis zu 40 Prozent. Allerdings dominieren nach wie vor die Exporte nach Deutschland.

Vom Ausfuhrrekord profitieren nicht nur Konzerne wie Voestalpine und Magna Steyr, sondern auch weniger prominente Unternehmen. Wirtschaftskammer-(WKO-)Präsident Christoph Leitl: "Die Zahl der Exporteure liegt derzeit bei 28.000. Viele davon sind kleine und mittlere Betriebe." Außenwirtschaft-Österreich-(AWO-)Chef Walter Koren ergänzt: "Österreichische Unternehmen haben Spitzenprodukte und ausgezeichnete Dienstleistungen. Österreich hat auf der Weltbühne einen sehr guten Ruf."

Mit speziellem Know-how hat etwa die renommierte Umweltberatungsfirma Denkstatt den Einstieg im Ausland geschafft: Das Wiener Consultingunternehmen (Umsatz 2005: 1,3 Millionen Euro) berät Betriebe in Rumänien, der Ukraine und sogar China, wie Abfälle und Abgase reduziert und Energie eingespart werden kann.

Dass gerade im Umweltbereich viele Länder noch aufholen müssen, erweist sich für Denkstatt als überaus vorteilhaft: Kürzlich zog die 16 Mitarbeiter starke Firma einen Auftrag in Marokko an Land. "Mehrere große Fischereifabriken wollen auf westliche Standards aufrüsten", erklärt Projektleiter Leopold Frey. "In den Fabriken sind die meisten Rohre so alt, dass bis zu 40 Prozent der Energie verpuffen. Die Marokkaner können mit der Modernisierung sehr viele Kosten sparen."

Der Kontakt zum nordafrikanischen Kunden ergab sich eher zufällig: "Eine Kollegin lernte den Qualitätsmanager der Fischfabriken auf einem Kongress kennen", erzählt Frey, "sie kamen ins Gespräch, und daraus ergab sich später der Beratungsauftrag."

Anders als bei Denkstatt helfen Exporteure dem Zufall manchmal auch ein wenig nach: "Ich nahm an einer großen Wirtschaftsmission der Wirtschaftskammer teil. So lernte ich meinen rumänischen Vertriebspartner kennen", sagt Johannes Guttmann, Chef der Waldviertler Biokräuterfirma Sonnentor. Vergangenen Mai eröffneten die beiden eine gemeinsame Vertriebsfirma in Rumänien. Guttmann: "Ein guter Partner, der Kontakte zum Endverkauf, zu Produzenten und Behörden hat, ist sehr wichtig."

Vor mehr als zehn Jahren begann Sonnentor, das 90 Prozent der 13,5 Millionen Euro schweren Umsätze im Ausland lukriert, seine Expansion. Damals eröffnete der Biopionier eine Zweigstelle in Cejkovice, einem Ort im benachbarten Tschechien. Heute liefert Sonnentor seine Tees und Kekse bis nach Neuseeland und Taiwan.

Ähnlich wie bei Sonnentor begann auch der Erfolgsweg der auf Nachrichtentechnik spezialisierten Frequentis. Das Wiener High-Tech-Unternehmen (Umsatz 2005: 108,5 Millionen Euro) ist heute Weltmarktführer in der Flugsicherung und stattet fast alle neuen Flughäfen mit Kommunikationssystemen aus. "Wir fingen einst klein an und verfolgten immer die Strategie, zuerst in den nahe liegenden Märkten Fuß zu fassen. Erst dann wagten wir uns weiter weg", verrät Geschäftsführer Christian Pegritz.

Derzeit bastelt Frequentis - zu dessen Klientel Scotland Yard und die US-Army zählen - an der Marktführerschaft für den Bahnbereich. "Wenn man global die Nummer eins sein will, kommt man am US-Markt nicht vorbei", so Pegritz. Doch die Barrieren sind hoch: Ein US-Gesetz schreibt vor, dass mehr als 50 Prozent der Wertschöpfung in den USA erfolgen müssen. "Wir mussten extra eine eigene Niederlassung gründen", sagt der Frequentis-Geschäftsführer.

Andere Länder, andere Sitten - davon weiß auch Michael Peduzzi, Geschäftsführer des Stempelerzeugers Trodat (Umsatz 2005: 98,6 Millionen Euro) zu berichten: Trodat, Marktführer in Europa, möchte angesichts der beeindruckenden Wachstumszahlen auch in Asien groß einsteigen. Doch die Stempelgewohnheiten dort sind andere. Peduzzi: "In China dominiert die persönliche Unterschrift. Außerdem bevorzugen Chinesen kleinere Stempel."

Zu einem globalen Konzern ist auch das Glücksspielunternehmen Novomatic Group of Companies (Umsatz 2005: 1,1 Mrd. Euro) geworden. Die von Novomatic produzierten Spielautomaten und Multiplayeranlagen werden in 60 Staaten exportiert, in 19 Ländern gibt es Tochtergesellschaften. Vor allem die osteuropäischen Märkte und Russland boomen.

Alleine im Baltikum betreibt die Novomatic-Gruppe 4.500 Spielautomaten und beschäftigt rund tausend Mitarbeiter. 32 Millionen Euro wurden bisher in die lettische Tochter Alfor SIA investiert, fünf Millionen Euro sollen noch in die Unternehmenszentrale in Riga fließen. Novomatic-Vorstand Franz Wohlfahrt: "Osteuropa ist ein wesentlicher Wachstumstreiber für uns."

Lesen Sie die ganze Story im FORMAT 46/2006!

23.11.2006 16:03