13.11.2006 15:16

"Wir sind Favorit": Hickersberger und Österreichs Team spitzen auf "Hattrick"

  • Hicke plant personelle Änderungen gegen Trinidad
  • Roland Linz: "Wir sind eine kleine Familie geworden"

Österreichs Fußballer haben im achten und letzten Länderspiel des Jahres den "Hattrick" im Visier. Nach den 2:1-Siegen in Liechtenstein und gegen WM-Starter Schweiz in Innsbruck soll am Mittwoch im Wiener Happel-Stadion gegen Trinidad/Tobago das dritte Erfolgserlebnis in Serie her. "Wir sind Favorit, weil wir zu Hause antreten und zuletzt gegen unseren EM-Partner auch gut gespielt haben", sagte ÖFB-Teamchef Josef Hickersberger klipp und klar.

Der 58-Jährige stuft die für Chile als Gegner eingesprungenen "Soca Warriors" zwar als "weitaus schwächer" als die Eidgenossen ein, zeigt vor ihnen aber dennoch den nötigen Respekt. Vom 23-köpfigen WM-Kader sind im 18-Mann-Aufgebot für Wien immerhin noch zehn Spieler dabei. "Hicke" erinnerte an das WM-Turnier 2006 und das Schweden-Spiel, in dem die "Färöer der Karabik" 45 Minuten einen Mann weniger hatten und mit einer "defensiv sensationellen Leistung" ein 0:0 erreicht haben. "Und das 0:2 gegen England sah ich in Nürnberg im Stadion live, da kam der Favorit auch gehörig ins Schwitzen."

Änderungen geplant
"Trinidad/Tobago hätte durch ihre kopfballstarken Spieler sogar in Führung gehen können", erzählte Hickersberger, der gezwungen ist, seine gegen die Schweizer erfolgreiche Elf zu ändern. Macho, Prager und Weissenberger sind aus verschiedenen Gründen nicht im Kader. Das heißt, dass es zumindest drei Änderungen geben wird. Hickersberger hat mehrere Varianten im Kopf, muss diesbezüglich aber noch einige Überlegungen anstellen. So gut wie sicher dürfte aber Alex Manninger das Tor hüten, im Mittelfeld ist Yüksel Sariyar ein Kandidat für die Startelf und auf der linken Seite könnte Christoph Leitgeb zurückkehren.

Auch wenn der Teamchef noch grübelt, stellte er mit großer Freude fest, dass er erstmals in seiner Ära keine Absage erhalten und keinen Akteur nachnominieren musste. "Auch das zeigt, dass wir im Umbau Fortschritte machen. Es ist eine wichtige Voraussetzung, wenn Spieler auch in schwierigen Zeiten zum Team stehen." Torjäger Roland Linz beschreibt den Aufbruch, der den öffentlichen Druck des Siegen-Müssens verdrängt hat, so: "Die Stimmung ist gut, es geht bergauf. Jeder kommt mit Freude zum Team, wir sind eine kleine Familie geworden."

Linz-Kuljic im Sturm
Weil am Wochenende in Portugal spielfrei war, traf der Stürmer schon am Donnerstag in Wien ein. Das Fieber, das ihn zuletzt geplagt hatte, schüttelte er ab, so dass der Tatendrang wieder voll da ist. "Wir wollen das Jahr unbedingt mit einem Sieg abschließen, obwohl es nicht einfach werden wird. Doch wir spielen zu Hause", meint der Ex-Austrainer in Diensten von Boavista Porto, der die portugiesische Torschützenliste nach neun Runden mit fünf Treffern anführt. Sein Partner im ÖFB-Angriff könnte auch diesmal der "Schweizer" Sanel Kuljic sein.

"Gegen die Schweiz hat es zuletzt ganz gut gepasst. Obwohl wir ähnliche Typen sind, könnten wir ein gefährliches Duo werden. Wir verstehen einander auch außerhalb des Platzes", sagte Linz, der ebenso wie Kuljic gegen die Eidgenossen ins Schwarze getroffen hatte. Für das Tore-Verhindern sollte erstmals seit 13. Oktober 2005 (3:3 in Nordirland) Manninger, der so wie Kuljic und Andreas Ivanschitz erst am Montag im ÖFB-Teamquartier eintraf, zuständig sein.

Manninger im Tor
Von der derzeit tollen Form des "Italieners", der sich am Wochenende mit dem AC Siena gegen Reggina nur durch einen Elfer geschlagen geben musste, hatte sich vor eineinhalb Wochen beim Heim-2:2 ÖFB-Tormanntrainer Klaus Lindenberger überzeugen können. Der Oberösterreicher hatte vor dieser Partie mit dem Salzburger ein langes Gespräch führt. "Es hatte keine Überredungskunst für ein Comeback bedurft. Er meinte, er würde sich freuen. Im EM-Kader zu stehen, dafür würde er alles tun", berichtete Lindenberger.

Der Ex-Teamkeeper, der Manninger im Frühjahr im Salzburg-Dress beobachtet hatte, hat in Italien einen anderen Spieler kennen gelernt. "Er hat das Kapitel Red Bull verarbeitet, daher zeigt er auch gute Leistungen. Er ist ein anderer Mensch geworden. Er ist selbstbewusst, anerkannt und hat in seiner Persönlichkeit, Psyche einen weiteren Schritt gemacht. Das habe ich dann auch im Spiel gesehen. Alex machte einen sicheren und ruhigen Eindruck", erzählte Lindenberger.

Dass die letzte ÖFB-Aufgabe, für die bis Montag über 10.000 Karten abgesetzt waren, von allen ernst genommen wird, zeigt auch der Umstand, dass der Kino-Besuch des WM-Films "Deutschland - ein Sommermärchen" kurzfristig abgesagt wurde. Stattdessen stand eine 45-Minuten-Sitzung mit dem neuen britischen Conditioning-Coach Roger Spry auf dem Programm. "Wir analysieren das Schweiz-Spiel, da gibt es viel Erfreuliches. Eine solche Leistung habe ich der Mannschaft derzeit nicht zugetraut", bemerkte Hickersberger. Am Dienstag arbeiten dann die Mental-Trainer Günter Amesberger und Wolfgang Hartweger mit Ivanschitz und Co.

(apa/red)

13.11.2006 15:16
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