Sonntag, 19. November 2006

Bundesliga gibt Entwarnung: Senat stellt Doping-Verfahren vs. Paschings Mayrleb ein!

  • Spieler hatte Blutdruck-Medikament eingenommen

Für die heimische Fußball-Bundesliga ist die Causa Christian Mayrleb kein Dopingfall. Der Senat 1 unter Vorsitz von Dr. Manfred Luczenzsky stellte in seiner dreieinhalb Stunden dauernden Sitzung das Verfahren gegen den Pasching-Spieler ein, der wegen der Einnahme des Blutdruckmittels CoDiovan eine positive Doping-A-Probe abgegeben und auf die B-Probe verzichtet hatte.

Nach Beurteilung des Senates hat der unter Bluthochdruck leidende Mayrleb den Tatbestand des anzuwendenden Paragrafen 17 der ÖFB-Vorschriften für Strafausschüsse zum Thema Doping nicht erfüllt. "Dieses Vergehen begeht, wer unerlaubte Mittel zur Leistungssteigerung einnimmt oder zur Einnahme solcher auffordert", heißt es in besagtem Paragrafen.

Während der Sitzung wurden von Luczenzsky und den anderen Mitgliedern des Senats - Herbert Gneist, Heinz Molzer, Julius Reiter und Norbert Wess - der betroffene Spieler, Pasching-Geschäftsführer Manfred Winkler sowie die Anti-Doping-Experten Michael Mader, Geschäftsführer des Österreichischen Anti-Doping-Comites (ÖADC), und Hans Holdhaus, Direktor des Instituts für medizinische und sportwissenschaftliche Beratung (IMSB), angehört bzw. befragt. Schließlich kam der Senat 1 zur Entscheidung, dass Mayrleb kein Mittel zur Leistungssteigerung, sondern lediglich eine entwässernde Substanz, die von den Experten zudem auch noch leistungsmindernd bezeichnet wurde, eingenommen habe.

"Auch konnten keine Anhaltspunkte für Doping im leistungssteigernden Sinn bzw. eine betrügerische Absicht des Spielers festgestellt werden, weil Mayrleb schon seit Jahren Medikamente gegen Bluthochdruck einnimmt", teilte die Bundesliga mit. Der ehemalige Team-Spieler habe sich "als Sportler auf das Sachverständigen-Urteil seiner jeweiligen Klubärzte, die für die Zulässigkeit der Medikamente bzw. eine eventuelle Einholung einer Sondergenehmigung verantwortlich sind, verlassen".

Bundesliga-Vorstand Georg Pangl meinte in einer ersten Stellungnahme: "Wir hatten bisher im österreichischen Fußball an die 600 Tests und jetzt den ersten positiven Befund. Und auch dieser hat sich nun laut Verfahren nicht als Dopingfall herausgestellt."

Johann Aigelsdorfer, der Vereinsarzt der Paschinger, nahm das Urteil des Senats 1 mit "riesengroßer Erleichterung" zur Kenntnis. "Es war eine extrem schwierige Situation. Ich kann mir eigentlich nichts vorwerfen, denn dieses Mittel ist von einem Fachmann (aus Salzburg, Anm.), der Blutdruckeinstellungen vornimmt und auch im Profisport tätig ist, verordnet worden. Deshalb stand es mir nicht zu, diese Entscheidung zu 'overrulen'", erklärte Aigelsdorfer in einem TV-Interview mit "Premiere Austria".

Das ÖADC kann nun gegen die Entscheidung des Senats 1 der Bundesliga Einspruch einlegen. In einem solchen Fall müsste sich dann ein Schiedsgericht der Bundessportorganisation (BSO) der Causa Mayrleb annehmen. Da aber ÖADC-Geschäftsführer Mader als Experte bei der Sitzung auftrat und keinerlei Doping-Vorwürfe gegen den Pasching-Spieler erhob, ist davon auszugehen, dass es wohl keinen Einspruch von Seiten des heimischen Anti-Doping-Comites geben wird und der Fall damit beendet sein dürfte.

Auch deshalb, weil nach Bekanntgabe des Senat-1-Urteils Rekordmeister Rapid Wien ankündigte, nun auf einen Antrag auf Strafverifizierung des Spiels gegen Pasching vom 11. November (1:1) zu verzichten. "Wenn laut Bundesliga kein Tatbestand für ein Dopingvergehen vorliegt, kann man auch keinen Einspruch erheben", betonte Stefan Ebner auf APA-Anfrage. Mayrleb war damals im Match der 17. Runde in Hütteldorf zur Pause eingewechselt worden, seine positive A-Probe hatte er am 6. November abgegeben.


(apa/red)

19.11.2006 14:38