Wiener Fußball in der Krise: Austria im
freien Fall - Rapid gleicht einem Pulverfass
- Konflikt mit Ultras spaltet - Streitfaktor Hans Krankl
- Schwierige Mission: Austria sucht Verstärkungen
·Totale Krise bei Rapid
und bei der Austria!
Umfrage: Pacult nächster Trainer der gehen muss?
·Rapid & Austria im Keller: Kommt Krankl?
MITREDEN: Ihre Meinung zur österreichischen Liga
·Sportdirektor Peter Schöttel verlässt Rapid
Abtritt nach Fan-Sturm, heftige Kritik an Krankl
·Austria: Abstiegs-
Gespenst im Nacken
GAK gewinnt Derby vs. Sturm - Mattersburg-Sieg

Der stolze Wiener Fußball steckt in einer der größten Krisen seiner Geschichte. Rapid und Austria zieren nach 17 Runden punktgleich das Tabellenende der T-Mobile-Bundesliga. Die Traditionsvereine Vienna und Sportklub grundeln seit Jahren in den Niederungen der Regionalliga oder Landesliga herum. Während es bei den Veilchen in Favoriten trotz der sportlichen Talfahrt einigermaßen ruhig bleibt, droht das grün-weiße Pulverfass in Hütteldorf zu explodieren.
Grund zur Sorge gibt vor allem das Verhalten der berüchtigten Westtribüne, deren Anhänger zuletzt das Maß des Erduldbaren deutlich überschritten haben. Bei einem Auswärtsspiel in Graz versuchten Ultras in der Halbzeitpause den Sturm-Fan-Sektor zu stürmen. Beim jüngsten 1:1 gegen Pasching folgte als weitere Protestmaßnahme gegen die Klubführung ein Platzsturm nach Schlusspfiff.
Noch-Rapid-Sportdirektor Peter Schöttel versuchte die Fans zu beruhigen, wurde dabei beschimpft und mit Bier überschüttet und erklärte anschließend seinen Rücktritt spätestens zum Jahresende. Ein Entschluss, den das Rapid-Urgestein schon länger gehegt hatte, der durch die Vorkommnisse am Samstag aber beschleunigt wurde.
Streitfaktor Krankl
Schöttels Schlichtungsversuche hatten die Platzstürmer mit Rufen nach Hans Krankl quittiert - eine offene Provokation, hatte der Jahrhundert-Rapidler in seinen Kolumnen in der Tageszeitung "Österreich" den Rapid-Rekordspieler doch des Öfteren hart kritisiert und damit zu dessen Abgang beigetragen. Der scheidende Sportdirektor sprach im Zusammenhang mit dem Verhalten des Ex-Teamchefs von "unterster Schublade".
Angst vor Spaltung
"Ich sehe die Gefahr, dass wir auseinanderdriften", kommentierte Schöttel die offen ausgetragenen Meinungsverschiedenheiten diverser Anhänger-Gruppen und kritisierte das Verhalten von Hardcore-Fans. "Einige Fan-Gruppen nehmen sich zu wichtig."
In ein ähnliches Horn stößt Klub-Präsident Rudolf Edlinger. "Mich macht es betroffen, dass eine Spaltung der Fans da war." Die größer werdende Kluft innerhalb des eigenen Anhangs machte sich am Beginn der Partie gegen Pasching bemerkbar. Die West- und Ost-Tribüne waren in Anlehnung an 31 Meistertitel ihren Plätzen 31 Minuten lang ferngeblieben und ernteten bei ihrer Rückkehr ein gellendes Pfeifkonzert und "Wir sind Rapid - und wer seid ihr?"-Sprechchöre von Seiten der Nord- und Südtribüne.
Pacult unter Druck
Sobald der neue Sportdirektor feststeht, wird Schöttel seinen Posten räumen - von Krankl wird der Rapid-Rekordspieler (524 Pflichtspiele) aber offensichtlich nicht beerbt. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Krankl diesen Posten auf Grund seiner Qualifikation bewältigen könnte", meint Edlinger. Sollte die sportliche Krise beim Rekordmeister länger anhalten, wird man bei Rapid über kurz oder lang nicht nur über die Position des Sportdirektors diskutieren, sondern wohl auch über jene von Trainer Peter Pacult.
Austria kündigt Verstärkungen an
Bei Erzrivale Austria verhält sich der Anhang ruhig. Öffentliche Provokationen wie bei Rapid blieben bisher aus. Die sportliche Situation ist aber bedrohlich. Zwar kündigte Neo-General-Manager Thomas Parits in der Winterpause Verstärkungen an, aufgrund des UEFA-Cups und des Wiener Hallencups haben die Veilchen für eine Regeneration und Neuordnung der Kräfte jedoch nur wenig Zeit. Und seit bei Austria der Sparstift regiert, müssen Spieler, die im Abstiegskampf tatsächlich eine Verstärkung sind, erst gefunden werden.
Austria-Trainer Georg Zellhofer wollte nach der ersten Liga-Niederlage der Violetten in seiner Amtszeit nichts beschönigen. "Wir sind uns der Lage bewusst. Wir stecken im Abstiegskampf, uns wird nichts geschenkt", betonte der Oberösterreicher, der nach heftigen Protesten wegen eines nicht gegebenen Elfer-Fouls an Mila auf die Tribüne verbannt worden war. "Ich habe mich nicht so ausgedrückt, wie ich sollte, und dafür entschuldige ich mich. Aber auch ich stehe unter Druck. Schiedsrichter-Entscheidungen haben uns gegen Sturm und Ried drei lebenswichtige Punkte gekostet", ärgerte sich Zellhofer, dessen Mannschaft erstmals seit der 13. Runde wieder Letzter ist.
(red/apa)
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