Montag, 13. November 2006

Zwei Rennen, zwei Siege: Levi war für den
ÖSV eine Reise in den hohen Norden wert

  • Dominanz Österreichs sorgt bei FIS für Unmut
  • PLUS: Letzter Weltcup-Winter auf "schmalen" Skiern

Nach der Sölden-Absage hat der alpine Ski-Weltcup mit den zwei Slaloms in Levi doch noch einen gelungenen Saisonstart hingelegt. Das gilt auch für Österreichs alpines "Wunderteam", dem nach einem kaum noch überbietbaren Winter mit 29 Weltcup-Siegen und 14 Olympia-Medaillen gleich wieder ein Traumstart gelungen ist. Dank des von Marlies Schild angeführten Damen-Dreifachsieges und des Triumphes von Olympiasieger Benjamin Raich war Finnland vor allem für das ÖSV-Team eine Reise wert.

"Von so einem Start kann man nur träumen. Mich freut vor allem, dass wir auch mannschaftlich schon sehr stark und die Jungen gut drauf sind", sagte ÖSV-Alpinchef Hans Pum. Dass FIS-Präsident Gian-Franco Kasper die rot-weiß-rote Dominanz schon vor dem Saisonstart wieder bezüglich Interesse am Skisport schlecht geredet hat, erzeugte bei Pum nur Kopfschütteln. "Wir denken ständig darüber nach, was wir noch besser machen können und werden uns weiterhin nicht auf den Lorbeeren ausruhen", stellte er klar.

Levi bewies vielmehr, dass der ÖSV in der "Sommerpause" wieder viel richtig gemacht haben muss. Allerdings fehlt bei den Damen Janica Kostelic, und Anja Pärson ist nach ihrer Knie-Operation ebenso noch nicht in Topform wie Bode Miller bei den Herren. Sein Saisonstart auf neuen (Head-) Skiern ging trotz vollmundiger Ankündigungen völlig daneben.

"Latte liegt hoch"
"Wir haben so viel probiert, dass ich gar nicht wüsste, wo ich anfangen soll", ließ sich Pum aber keine Geheimnisse entreißen. "Die Latte liegt nach dem vergangenen Winter sehr hoch. Dieses Niveau zu halten ist nur möglich, wenn alle mit Freude vollen Einsatz zeigen", sagte Pum und philosophierte: "Wer vorne weg durch den Schnee stapft, hat es am schwersten. Wenn einer zum Überholen ansetzt, muss man bereit sein."

Bereit zu sein gilt es auch für den letzten Winter auf gewohntem Material. Bereits in der Saison 2007/2008 werden die Rennskier aus Sicherheitsgründen breiter und die Standhöhen der Rennläufer über dem Schnee weiter zurückgenommen. Damit folgt man auch im Rennsport einem von der Ski-Research-Forschung (SRS) erarbeiteten Sicherheits-Trend, der von den Extremen um die Jahrtausendwende wieder zurück zu einem auch für den Normalskifahrer vernünftigen Maß führen soll.

Ob sich damit wie vielfach erwartet auch ein neuer, kräftigerer Rennläufer-Typus etabliert, wird sich weisen. Die Skihersteller experimentieren bereits längere Zeit mit den breiteren Skiern, haben fallweise die neuen Latten sogar schon eingesetzt. Es wurden damit sogar schon Rennen gewonnen.

Große Show in Levi
Jetzt schon bereit gezeigt hat sich Levi. Der gemütliche Ort im hohen Norden machte nicht nur die ersten Saisonrennen möglich, sondern lieferte auch den Beweis dafür, wie wenig "Berg" es braucht, um Spaß am Wintersport zu haben. 20.000 Zuschauer stürmten zudem an zwei Tagen den für das flache Lappland so typischen und nur 325 m hohen "Inselberg" Levi Tunturi, wo nach vier Damen-Torläufen erstmals auch ein Herren-Slalom gefahren wurde.

Und Levi hat Zukunft. Der Platz im November-Weltcupkalender ist für die kommenden Jahre garantiert und damit auch zusätzliche, für die Ski-Industrie so enorm wichtige Rennen vor Weihnachten. Bis heuer hatte zwischen dem Gletscher-Auftakt Ende Oktober in Europa und den Nordamerika-Rennen eine vier- bis fünfwöchige Lücke geklafft.

Die schließt nun Levi. Die Zahl der Gästebetten rund um das Skizentrum 170 km nördlich des Polarkreises sollen mit Millionen-Investitionen von ohnehin schon erstaunlichen 20.000 auf 35.000 aufgestockt werden. Auch als Österreicher fühlte man sich in Levi sofort "heimisch". "Hey Baby" und "Life is life" sind in den Discos und Skihütten von Levi Dauerbrenner. Das Erfreulichste aber: Erstmals war am Tunturi auch die österreichische Bundeshymne zu hören gewesen.

(apa/red)

13.11.2006 14:39