Segolene Royal: Sozialistin auf dem
Weg zur ersten Präsidentin Frankreichs
- 53-Jährige setzt auf Bürgernähe und Tabu-Brüche
- Feministisches Auftreten entfachte viele Diskussionen

Als Segolene Royal ihre Kandidatur für das höchste Staatsamt erklärte, erntete die Mutter von vier Kinder Hohn und Spott in der männerdominierten Sozialistischen Partei (PS). "Wer passt dann auf die Kinder auf?", giftete Ex-Premier Laurent Fabius. Doch die erklärte Feministin Royal ist Macho-Gehabe längst gewohnt: Unbeirrt verfolgte sie auch ohne PS-Hausmacht ihr Ziel, "Politik auf andere Art zu machen".
Als Marie-Segolene Royal am 22. September 1953 geboren wird, ist ihr Vater in Dakar im Senegal stationiert. Wäre es nach dem Artillerie-Offizier gegangen, wäre ihr ein Dasein als Hausfrau beschieden gewesen. Royals Weg in die "Freiheit" führt über die Schule. "Ich habe sehr schnell verstanden, dass ich dadurch da rauskommen werde", erzählt sie über ihre Kindheit mit sieben Brüdern und Schwestern in den Vogesen.
Anfang der 70er Jahre verlässt der Vater die Familie. Royals Mutter und die noch zu Hause lebenden Kinder müssen sich damals Matratzen bei der Caritas besorgen. Royal ist empört und verklagt den Vater auf Unterhalt. Über Stipendien schafft sie es bis an Frankreichs Kaderschmiede ENA, wo sie ihren Lebensgefährten Francois Hollande kennenlernt, mit dem sie seitdem ohne Trauschein lebt. Zusammen wechseln beide nach dem Sieg von Francois Mitterrand 1981 als Berater in den Elysee-Palast.
1992 bekommt Royal als Umweltministerin ihren ersten Regierungsjob. Um den zu bekommen, verheimlicht sie, dass sie mit ihrem vierten Kind schwanger ist. Im achten Monat setzt sie später bei einer Fluggesellschaft eine Ausnahmegenehmigung durch, um am Umweltgipfel in Rio teilzunehmen. Zwei Mal wird Royal noch Ministerin, für Schule, von 1997 bis 2000, und für Familie, von 2000 bis 2002.
Zwei Jahre später dann ihr nächster Coup: Bei den Regionalwahlen siegt sie in der Heimat des konservativen Premiers Jean-Pierre Raffarin und ist seitdem Präsidentin der 1,6 Millionen Einwohner zählenden westfranzösischen Region Poitou-Charentes. Nah am Volk macht sie sich mit pragmatischen Projekten für den Umweltschutz oder für die Förderung von Familien einen Namen.
Während Hollande seit 1997 PS-Chef ist, bleibt sie für die übrigen Schwergewichte der Partei die mitleidig belächelte "Madonna der Umfragen". Doch Royal lächelt einfach zurück, strickt sich ihr eigenes Netzwerk an der Parteibasis und bricht offen mit Tabus der Linken: Sie kritisiert die Regeln zur 35-Stunden-Woche und schlägt vor, jugendliche Straftäter unter militärische Aufsicht zu stellen. Nach der klaren Kür zur PS-Kandidatin im November lässt sie sich drei Monate Zeit, ihr Wahlprogramm über Diskussionen mit Parteimitgliedern und Bürgern auszufeilen.
Im Wahlkampf unterlaufen der 53-Jährigen dann insbesondere in der Außenpolitik Fehler. So lobt sie einmal die Geschwindigkeit der chinesischen Justiz. Selbst in ihrem Team löst ihr Hang zu Alleingängen wenig Begeisterung aus. "Sie hört nicht zu", sagen Vertraute.
Das Ergebnis der ersten Wahlrunde am Abend des 22. April ist für Royal ein Schock: Mehr als eineinhalb Stunden braucht sie, um eine Erklärung abzugeben. Zwar holt sie ein gutes Ergebnis, doch ihr Rivale Nicolas Sarkozy liegt mehr als fünf Prozentpunkte vor ihr. Deshalb lässt sie sich auf ein gewagtes Spiel ein: Sie wirbt vehement um die Wähler des ausgeschiedenen Kandidaten Francois Bayrou und stellt sich dem Liberalen sogar in einer Fernsehdebatte. In ihrer Stammwählerschaft wirft sie damit wieder einmal die Frage auf, wieviel linkes Gedankengut eigentlich noch in der PS-Kandidatin steckt.
(apa/red)
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