"Madame la Présidente"? Ségolène Royal Präsidentschafts-Kandidatin der Sozialisten
- 60 % der Stimmen bei parteiinterner Ausscheidung
- Frankreich: Bei Wahl im April 2007 wohl vs. Sarkozy
·Segolene Royal:
Erste Präsidentin?
Sozialistin setzt auf Tabu-Brüche und Bürgernähe
·Frankreich: Politik bisher ohne Frauen!
Veil und Alliot-Marie als beliebteste Politikerinnen

Nach ihrer triumphalen Nominierung hat die sozialistische Präsidentschaftskandidatin Segolene Royal zu einer tief greifenden Reform Frankreichs aufgerufen. "Ich will den Wandel nicht nur verkörpern, sondern mit Ihnen gestalten", sagte sie an die Adresse aller Franzosen. Die Mitglieder der Sozialistischen Partei hatten Royal zuvor per Urabstimmung gewählt. Sie ist die erste Frau mit ernsthaften Aussichten auf das höchste französische Staatsamt.
Die 53-jährige Abgeordnete und Präsidentin der Region Poitou-Charentes setzte sich mit 60,6 Prozent überraschend deutlich gegen den früheren Wirtschaftsminister Dominique Strauss-Kahn (20,8 Prozent) und Expremier Laurent Fabius (18,5 Prozent) durch. Mehr als 80 Prozent der 219.000 stimmberechtigten Mitglieder beteiligten sich an der Vorwahl. Das eindeutige Ergebnis gibt der Partei die Chance, zur Geschlossenheit zurückzufinden. "Alle Sozialisten haben gewonnen", sagte PS-Chef Francois Hollande.
"Stunde der Einheit"
Die Kandidaten hatten sich in den vergangenen sechs Wochen heftig gestritten, nach der Wahl schlugen alle Kontrahenten versöhnliche Töne an. "Nun kommt die Stunde der Einheit", erklärte Royal. Strauss-Kahn sicherte seinen "totalen Einsatz für die PS, für die Linke und für Frankreich" zu. Es habe die Stunde geschlagen, um sich zum Kampf gegen die Rechte zusammen zu tun. Auch Fabius sagte Royal seine Unterstützung zu.
Keine "Madonna der Umfragen" mehr
Die 53-Jährige ist durch den deutlichen Sieg vom Makel einer "Madonna der Umfragen" befreit. Während der bisherigen Kampagne hat sie - etwa wegen ihrer Kritik an der 35-Stunden-Woche und mit Vorschlägen, hart gegen jugendliche Straftäter vorzugehen - die traditionelle Parteilinie verlassen. Zugleich bediente sie mit der Forderung nach Strafsteuern für Arbeitsplatzverlagerungen oder einer Gewerkschaftspflicht die linke Parteiseele.
Flammender Appell an alle Franzosen
"Die Franzosen sind bereit für Reformen, aber sie wollen an den Entscheidungen beteiligt werden", sagte Royal. "Ich appelliere an alle Franzosen: Tun Sie sich zusammen, werden Sie aktiv, fragen Sie, was Sie für Ihr Land erreichen können." Sie nannte die Probleme von Armut, Jobunsicherheit und der Kluft zwischen Arm und Reich. "Ist das das unabwendbare Gesicht der Moderne? Sicher nicht!"
Sarkozy mutmaßlicher Gegner
In den kommenden fünf Monaten bis zur Wahl wird sich Royal dem Duell mit Innenminister Nicolas Sarkozy stellen, dem mutmaßlichen UMP-Kandidaten. Einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage zufolge könnte Sarkozy in der ersten Runde 34 Prozent der Stimmen erhalten, Royal 30 Prozent. Bei einer Stichwahl am 6. Mai lägen Sarkozy und Royal derzeit gleichauf bei 50-50.
(apa)
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