Wollte Schröder Merkel verhindern? Soll Stoiber Kanzlerschaft angeboten haben!
- CSU-Chef sprach von "unmoralischem Angebot"
- Ex-Kanzler dementiert sämtliche Medienberichte
·CDU: Profalla zieht
sehr positive Bilanz
Ein Jahr große Koalition bisher zufriedenstellend
Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder soll nach der deutschen Bundestagswahl nach Medienberichten mit aller Macht versucht haben, seine Herausforderin Angela Merkel als Kanzlerin zu verhindern. Die "Augsburger Allgemeine" berichtete unter Berufung auf CSU-Kreise, der SPD-Politiker habe sogar CSU-Chef Edmund Stoiber den Kanzlerposten in einer großen Koalition angeboten.
Das Blatt berichtete im Voraus, Stoiber habe im engsten Parteikreis von diesem "unmoralischen Angebot" berichtet. Der CSU-Chef habe das Angebot mit der Begründung abgelehnt, nicht der Spaltpilz der Union sein zu wollen. Weder CSU noch die bayerische Staatskanzlei wollten sich zu dem Bericht äußern. Schröder bestreitet nach Darstellung der Zeitung, ein entsprechendes Angebot gemacht zu haben.
Der "Stern" berichtet in seiner neuen Ausgabe von einem angeblichen Versuch Schröders, unmittelbar nach der von ihm knapp verlorenen Wahl im September vergangenen Jahres Stoiber zu einem Putsch gegen Spitzenkandidatin Merkel zu bewegen. Unter Berufung auf das "engste Umfeld" von Stoiber berichtete das Magazin, Schröder habe den bayerischen Ministerpräsidenten noch am Wahlabend unter vier Augen um eine Unterredung in den nächsten Tagen gebeten. Drei Tage nach der Wahl habe Stoiber daraufhin in München einen Emissär des noch amtierenden Kanzlers empfangen. Dieser nicht aus der Politik stammende Gesandte habe Stoiber das Angebot überbracht, der CSU-Chef solle "als erster Mann der Union" in eine große Koalition unter Schröders Führung eintreten. Die CDU solle gegen ihre Vorsitzende und Spitzenkandidatin putschen und sich einen neuen Vorsitzenden suchen. Stoiber soll das Angebot mit der Begründung abgelehnt haben, Merkel sei die Kanzlerkandidatin der Union.
Schröder dementiert
Schröder wies diese Darstellung zurück. Er sagte dem "Stern", es habe am Wahlabend weder einen direkten Gesprächskontakt mit Stoiber gegeben, noch habe er drei Tage nach der Wahl einen Emissär nach München geschickt. Merkel, die zwei Monate nach der Bundestagswahl zur Kanzlerin gewählt wurde, habe von Stoiber nie etwas von dem Putschversuch erfahren, berichtet der "Stern" weiter. Auf eine entsprechende Anfrage habe sie überrascht reagiert.
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte in Berlin, er könne den Bericht weder bestätigen noch dementieren. "Aber dem Altkanzler per se würde ich ein solches Verhalten grundsätzlich erstmal zutrauen."
Schröder bestand nach Wahl auf Kanzleramt
Schröder hatte am Wahlabend - euphorisiert von einem gemessen an den Umfragen sehr guten Abschneiden der SPD - den Anspruch auf die Kanzlerschaft erhoben. In der ARD-Runde der Parteivorsitzenden hatte er erklärt, es werde der Union, die die Wahl mit einem Prozent Vorsprung nur knapp gewonnen hatte, nie gelingen, die SPD zu einer Koalition unter ihrer Führung zu bewegen. Nach wochenlangen Verhandlungen gab die SPD den Kanzler-Anspruch schließlich auf und akzeptierte Merkel. Schröder selbst hat sein Festhalten am Machtanspruch als taktisch notwendig bezeichnet, um bei den Koalitionsverhandlungen mit der Union möglichst viel für die SPD herausholen zu können. (apa/red)
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