Annan beklagt Mangel im Kampf ums Klima: UN-Chef fordert mehr Aufmerksamkeit!
- Erderwärmung ist allumfassende Bedrohung
- US-Präsident Bush lehnt Kyoto-Protokoll weiterhin ab
·UN-Klimagipfel ohne Bundesminister Pröll!
Bundesregierung wird von NGO heftig kritisiert
UN-Generalsekretär Kofi Annan hat fehlende politische Führung im Kampf gegen den Klimawandel beklagt. Auf dem Klimagipfel in Nairobi forderte der scheidende Chef der Vereinten Nationen (UN) große Luftverschmutzer wie die USA und China zu stärkeren Anstrengungen im Umweltschutz auf.
"Der Klimawandel ist nicht nur eine Umweltfrage, wie zu viele Menschen noch immer glauben, sondern er ist eine allumfassende Bedrohung", sagte Annan vor 70 Umweltministern. Der Erderwärmung müsse die gleiche Aufmerksamkeit gewidmet werden wie Kriegen, Armut und der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen "Es wird zunehmend deutlich, dass uns die Verringerung von Emissionen heute billiger kommt als später der Kampf gegen ihre Folgen."
Das Kyoto-Protokoll von 1997 sei zwar ein entscheidender Schritt zum Klimaschutz, es reiche aber bei weitem nicht aus. "Und während wir über weitere Schritte nachdenken, zeigt sich ein erschreckender Mangel an politischer Führung." Auf die Frage, ob seine Ausführungen auf die USA zielten, erwiderte Annan, er habe niemanden speziell gemeint. "Allerdings wäre es wünschenswert, wenn sie (die USA) das Kyoto-Abkommen unterzeichneten."
Bush lehnt Kyoto-Protokoll weiterhin ab
US-Präsident George W. Bush lehnt das Kyoto-Protokoll mit der Begründung ab, es gefährde Arbeitsplätze in den USA und nehme aufstrebende Wirtschaftsmächte wie China und Indien nicht genug in die Pflicht. In Kyoto haben sich 35 Industriestaaten dazu verpflichtet, den Ausstoß klimaschädlicher Abgase aus Kraftwerken, Fabriken und Auto zwischen 2008 und 2012 unter das Niveau von 1990 zu senken. In Nairobi beraten Politiker und Experten aus 189 Ländern bis Freitag über eine Nachfolgeregelung für Kyoto. Ein Durchbruch ist jedoch unwahrscheinlich.
Von Seiten der Amerikaner kommen jedoch zusehends positivere Signale, wie der österreichische Vertreter bei der Konferenz, Generalsekretär Werner Wutscher sagte: "Die USA sind um einiges konstruktiver als in der Vergangenheit", so Wutscher. Die amerikanischen Vertreter würden sich viel aktiver in die Debatte einbringen, wenn auch noch "keine dramatische Richtungsänderung" absehbar sei. Derzeit befinde man sich noch im Stadium der "vertrauensbildenden Maßnahmen". Im vergangenen Jahr hatten sich die US-Vertreter nur mühsam die Zusage abringen lassen, überhaupt über eine gemeinsame Klimapolitik nach dem Auslaufen des Kyoto-Protokolls im Jahr 2012 zu diskutieren.
Auch große Entwicklungsländer müssten damit beginnen, weniger fossile Brennstoffe zu verfeuern, die für den Klimawandel verantwortlich gemacht werden, forderte der zum Jahresende aus dem Amt scheidende Annan. Er nannte in diesem Zusammenhang China und Indien, deren rapide wachsenden Volkswirtschaften mittlerweile Treibhausgase produzierten.
Plan zur Umwelthilfe für Afrika
Annan stellte zudem einen Plan zur Umwelthilfe für Afrika vor. Im Rahmen der Kampagne sollen sechs UN-Behörden vor allem afrikanischen Ländern dabei helfen, mehr Geld für erneuerbare Energien wie Wind- und Wasserkraft zu erhalten. Annan forderte, reiche Länder müssten die Initiative unterstützen. Kenias Umweltminister Kivutha Kibwana hatte zum Auftakt des Klimagipfels gewarnt, der Treibhauseffekt gefährde die Entwicklungschancen für Milliarden Menschen in den ärmsten Ländern der Welt.
Zuletzt zeichneten Studien der UN und der britischen Regierung ein alarmierendes Bild von der fortschreitenden globalen Erwärmung und ihren Folgen. Während die UN-Klimabehörde für 2005 neue Rekorde an Treibhausgasen in der Atmosphäre meldete, warnten britische Wissenschaftler nicht nur vor schweren Umweltkatastrophen, sondern auch vor einer Weltwirtschaftskrise vom Ausmaß der 1930er Jahre.
(apa/red)
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