Dienstag, 14. November 2006

IAEO veröffentlicht Bericht: Iran treibt Atomprogramm voran & behindert Kontrolle

  • Spuren von Plutonium & Uran in Atomanlage entdeckt

Der Iran treibt sein Atomprogramm nach Erkenntnissen der internationalen Atomenergie-Behörde IAEA (IAEO) ungeachtet drohender UNO-Sanktionen voran. Zudem behindere Teheran IAEA-Untersuchungen, wie aus einem Bericht der IAEO hervorgeht. Teheran habe in den vergangenen drei Monaten praktisch nichts getan, um die bestehenden Zweifel an seinem früheren geheimen Atomprogramm auszuräumen. Sollte sich der Iran nicht kooperativer verhalten, könne die IAEA nicht bestätigen, dass sein Atomprogramm nur friedlichen Zwecken diene.

Laut dem Bericht sei in Zentrifugen der iranischen Anlage Natans in der Zeit von Mitte August bis Anfang November eine kleine Menge schwach angereicherten Urans hergestellt worden. Die IAEA habe Spuren von Plutonium und angereichertem Uran entdeckt. Für beide Stoffe gebe es keine Erklärung, hieß es. Teheran sei zu einer Erklärung für die Funde in der Abfall-Anlage aufgefordert worden. Sowohl Plutonium als auch hoch angereichertes Uran können beim Bau von nuklearen Sprengköpfen verwendet werden.

Aus UN-Kreisen verlautete, der Iran habe bereits eine Erklärung geliefert, und es könne sich demnach um Nebenprodukte von ziviler Nutzung der Atomenergie handeln. Das Uran sei in höherem Grad angereichert gewesen als für die Energiegewinnung notwendig, sagte ein Gewährsmann. Der Wert liege aber noch unter dem, der für den Bau von Waffen erforderlich sei.

Nach dem von IAEA-Chef Mohammed el Baradei verfassten Bericht, der in der nächsten Woche auf dem IAEA-Gouverneursrat in Wien diskutiert wird, blockiert der Iran nach wie vor die Nachforschungen der UN-Organisation: "Die Behörde wird so lange keine Fortschritte bei ihren Bemühungen um die Aufklärung der bisher ungeklärten Atomaktivitäten machen, bis der Iran (die von der IAEA geforderte) Transparenz zeigt", kritisierte Baradei.

Der Bericht bestätigt, dass iranische Techniker in Natans die Urananreicherung - wenn auch in bisher kleinem Umfang - vorantreiben. Seit Anfang des Jahres hat Teheran in Natans lediglich zwei so genannte Kaskaden mit insgesamt 328 Gaszentrifugen in Betrieb genommen. Ursprünglich hatte die iranische Regierung die Installation von mehr als 1.000 Zentrifugen innerhalb eines Jahres angekündigt. Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad sagte, der Iran plane den Aufbau von bis zu 60.000 Gaszentrifugen zur Herstellung spaltbaren Urans für die Energiegewinnung.

Der Iran wird vom Westen verdächtigt, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms Atomwaffen zu bauen. Das Land bestreitet dies und behauptet, es wolle damit lediglich Energie erzeugen.

(apa/red)

14.11.2006 19:57