Montag, 13. November 2006

Castor-Transport in Gorleben eingetroffen: Blockaden können die Fahrt nicht stoppen

  • Hunderte Atomkraftgegner mussten entfernt werden

Nach Ankunft des zehnten Castor-Transports im atomaren Zwischenlager Gorleben ist in Deutschland der Streit um die künftige Atompolitik in der großen Koalition neu entbrannt. Es geht um den Standort eines Atommüll-Endlagers. In der noch unentschiedenen Endlagerfrage forderte die CDU eine Festlegung auf Gorleben. Sie wandte sich damit gegen den von SPD-Umweltminister Sigmar Gabriel angeregten Standortvergleich.

Der von Atomkraftgegnern mehrfach gestoppte Castor-Transport aus Frankreich hatte das Zwischenlager in Niedersachsen nach 58-stündiger Fahrt erreicht. Atomkraftgegner und Polizei beschuldigten sich anschließend gegenseitig eines zu harten und gewalttätigen Auftretens.

Der Unionsfraktionschef im Bundestag, Volker Kauder, forderte die sofortige Wiederaufnahme der Erkundung des Salzstocks in Gorleben als mögliches Atommüllendlager. Ein neuer Suchlauf nach Endlagern sei in dieser Legislaturperiode nicht mehr zu schaffen, sagte Kauder. Deutschland brauche möglichst schnell ein Endlager. Denn auch der Ausstieg aus der Kernenergie bringe Atommüll mit sich.

Im Energiekonsens mit den Stromkonzernen hatte die frühere rot- grüne Bundesregierung 2001 ein Aussetzen der weiteren Erkundung des Salzstocks in Gorleben vereinbart. Teil dieses Energiekonsenses ist die Stillegung aller deutscher Kernkraftwerke bis spätestens 2021. Die CDU/CSU will die Atomkraft länger nutzen, konnte dies aber in den Koalitionsverhandlungen nicht gegen die SPD durchsetzen.

Der Bundesvorsitzende der Grünen, Reinhard Bütikofer, sagte im Privat-Fernsehen, dass sich der Protest beim Castor-Transport gegen eine einseitige Festlegung auf einen Endlager-Standort Gorleben gerichtet habe. Die Gefahr wachse, da Minister Gabriel seine Bereitschaft angekündigt habe, die Erkundung in Gorleben fortzusetzen und das Moratorium aufzugeben.

Vertreter von Bürgerinitiativen warfen Gabriel in der Debatte um die Endlagersuche eine "Hinhaltetaktik" vor. Einerseits fordere er die Suche nach alternativen Standorten, andererseits wolle Gabriel die Erkundung des Salzstocks in Gorleben fortsetzen. "Jeder Castor zementiert den Standort Gorleben", sagte der Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, Francis Althoff. Auf Grund seiner geologischen Struktur sei der Salzstock für die Endlagerung von hoch radioaktivem Müll jedoch gänzlich ungeeignet.

Die Castoren enthalten nicht wiederverwertbare Überreste alter Brennelemente aus deutschen Atomkraftwerken. Deutschland ist vertraglich zur Rücknahme des Atommülls verpflichtet. Bis 2010 sind noch drei weitere Transporte geplant. Castor ist die Abkürzung für die englische Bezeichnung "cask for storage and transport of radioactive material" (Behälter zum Aufbewahren und Transportieren von radioaktivem Material).


(apa/red)

13.11.2006 17:00