Entführungs-Fall Natascha Kampusch: Staatsanwalt hat Verfahren eingestellt
- Keine Beweise für eine Mehrtäter-Theorie
- Akt Priklopil nach dessen Tod geschlossen
·Der Rückblick: News- Interview vom 6.9. '06
Was Natascha Kampusch im NEWS-Gespräch sagte
·GRAFIK: Grundriss von Kampuschs Verlies
Klo, Bett und Schränke auf winzigstem Raum
Die Staatsanwaltschaft Wien hat das Verfahren im Fall Natascha Kampusch eingestellt. Es gebe außer einer Zeugenaussage keine Erhebungshinweise, die auf die Beteiligung eines Mittäters hinweisen. Auch für diese Angabe eines damals zwölfjährigen Mädchen hätten die Ermittlungen eine Erklärung gebracht. Aus diesem Grund habe man das Verfahren wegen Freiheitsentziehung gegen unbekannte Täter eingestellt. Der Akt gegen den Entführer Wolfgang Priklopil wurde nach seinem Tod bereits am 21. September geschlossen.
Nach den Erhebungen der polizeilichen Sonderkommission ist davon auszugehen, dass Priklopil als Einzeltäter gehandelt habe, so die Staatsanwaltschaft. Die einzige Zeugenaussage, die sich auf mehrere Täter beziehe, konnte durch Aussagen von Natascha Kampusch und eine Tatrekonstruktion erklärt werden. Demnach soll der Entführer sein Opfer durch die Seitentüre in sein Fahrzeug gezerrt haben. Dort verschloss er die Tür von innen und kletterte auf den Fahrersitz. Das damals zwölfjährige Mädchen habe aus diesem Grund vermeintlich zwei Männer wahrgenommen: Einer soll Kampusch in das Auto verschafft haben, "der andere" fuhr damit weg, glaubte sie.
Die Polizei hatte das Ende ihrer Ermittlungen bereits am Donnerstag bekannt gegeben. Insgesamt wurden in dem Kidnappingfall, der sich über mehr als acht Jahre hinzog, mehr als 2.000 Personen als mögliche Verdächtige überprüft, berichtete Generalmajor Gerhard Lang vom Bundeskriminalamt (BK) Mehr als 1.500 Kfz-Zulassungsbesitzer wurden wegen der Ähnlichkeit ihres Autos mit dem Fluchtfahrzeug - einem Mercedes-Lieferwagen - ebenfalls kontrolliert. Die Polizisten erstellten über 250 Niederschriften und 3.000 bis 4.000 Aktenvermerke über Befragungen. Das Ermittlungsmaterial fand laut Lang in 160 Aktenordnern Platz.
Die Ermittler machen sich auch nach dem Abschluss der Nachforschungen keine Illusionen darüber, dass sie der Fall Kampusch weiter beschäftigen wird. "Es wird immer wieder Hinweise geben, und denen werden wir auch weiterhin selbstverständlich nachgehen", sagte der BK-Vertreter. Ebenso werde es weiterhin Kontakt mit Natascha Kampusch selbst geben, nicht zuletzt im Rahmen der Opferhilfe: "Die geht natürlich weiter, auch wenn der Aktendeckel geschlossen ist", betonte Lang.
(apa/red)
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