Dienstag, 14. November 2006

Künftiger ORF-Chef Wrabetz: Programm-
schema, Fernseh-Info bis November fix

  • Wrabetz plädierte für Dezentralisierung der TV-Info
  • Verschiedene Sendungsteams mit Verantwortlichen

Der designierte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz stellt sich den Fragen der ORF-Journalisten. Vor dem Redakteursausschuss informiert der Kaufmännische Direktor, der am 1. Jänner an die Spitze des ORF wechselt, über seine Reformpläne. Mit besonderem Interesse werden dabei Wrabetz' Ausführungen zur Fernseh-Information erwartet. Nach Recherchen der APA gibt es über die künftige Struktur der Fernseh-Information sowie über anstehende Personalveränderungen aber noch keine endgültigen Entscheidungen.

Wrabetz selbst plädierte in seinem Bewerbungskonzept für eine Dezentralisierung und die Wiederinstallierung von Sendungsverantwortlichen in der TV-Information. Der Kernbereich des öffentlich-rechtlichen Senders wurde unter der noch amtierenden ORF-Chefin Monika Lindner zentralisiert, die meisten Kompetenzen wurden bei Chefredakteur Werner Mück gebündelt. ORF-interne Kritiker, darunter auch Wrabetz, monierten in der Folge zu wenig inneren Pluralismus und journalistischen Wettbewerb.

"Eine zentrale Informationsabteilung wird es nach meinen Vorstellungen in der jetzigen Form nicht mehr geben", meinte der künftige ORF-Chef denn auch nach seiner Wahl. In diesem Vorhaben ist sich Wrabetz mit dem künftigen Informationsdirektor Elmar Oberhauser grundsätzlich einig. Offen ist hingegen die Frage, wie groß die Sendungsteams (etwa jenes der "Zeit im Bild 2") bei einem dezentralen Modell sein sollen. Eine dezentrale Struktur verursacht schließlich höhere Kosten. In Zeiten knapper Budgets möglicherweise ein Knackpunkt - zumal die von Wrabetz und Oberhauser in den ORF zurückgeholte Fußball-Bundesliga künftig mehr Budgetmittel binden wird.

Wrabetz will einmal die Anliegen der Redakteure hören. Die ORF-Journalisten hatten sich schon vor der ORF-Wahl für mehr "inneren Pluralismus" und verschiedene Sendungsteams mit Sendungsverantwortlichen ausgesprochen. Ein zentraler Chefredakteur für 300 Mitarbeiter habe sich nicht bewährt, kritisierten die ORF-Redakteursvertreter. Bis Ende November soll - neben dem neuen allgemeinen Programmschema - die künftige Struktur der Fernseh-Information stehen, und im Dezember könnten die der Struktur folgenden Posten ausgeschrieben werden, auf dass es mit Jahreswechsel, der am Küniglberg Machtwechsel bedeutet, kein Vakuum in wichtigen Funktionen unterhalb der Direktorenebene gibt.

Personalspekulationen werden laut
Entsprechende Personalspekulationen geistern bereits seit einigen Wochen durch die Medien. So gelten Fernseh-Innenpolitik-Chef Hans Bürger und Radio-Chefredakteur Karl Amon als Favoriten für den Posten des TV-Chefredakteurs (aktueller Dienst). Werden die Magazine zu einem eigenen Bereich, könnte dort "Thema"-Chef Johannes Fischer oder "Am Schauplatz"-Leiter Christian Schüller das Sagen haben. Sport-Chef soll Hans Huber werden. Mit Huber wird angesichts des bevorstehenden Großereignisses Euro 2008 ein ausgewiesener Fußball-Experte befördert.

In die Verlängerung könnte es der zentrale Chefredakteur Walter Seledec schaffen. Er sorgte im Vorjahr für enorme Aufregung, nachdem er zuerst eine Parte der FPÖ für deren früheren Chef Friedrich Peter unterzeichnet und dann auch noch an einer Kranzniederlegung am Grab des NS-Fliegers Walter Nowotny teilgenommen hatte. Eine vom ORF eingesetzte interne Kommission sah jedoch keinen Entlassungsgrund. Allgemein wurde erwartet, dass Seledec Anfang 2007 in Pension gehen würde, nun soll er aber bleiben, wie Wrabetz am Wochenende in einem Interview mit der Tageszeitung "Der Standard" ankündigte. Seledec-Anwalt Peter Fichtenbauer - der Neo-FPÖ-Parlamentarier war bis vor kurzem FPÖ-Stiftungsrat - stimmte bei der ORF-Wahl für Wrabetz.

Sendungsverantwortung noch nicht entschieden
Noch nicht entschieden ist das Thema Sendungsverantwortung der "Zeit im Bild 2", auch wenn es zuletzt bereits für einiges mediales Echo sorgte. Als möglicher Leiter ist Anchorman Armin Wolf im Gespräch, der mit seiner Rede anlässlich der Verleihung des Hochner-Preises die ORF-Debatte losgetreten und den Boden für einen Machtwechsel mit aufbereitet hatte. Wird Wolf "ZiB 2"-Chef, dann könnte es die beim Publikum beliebte Moderatorin Ingrid Thurnher in andere Programmbereiche verschlagen. Dass für Wolf und Thurnher nicht das Motto "Gute Freunde kann niemand trennen" gilt, ist am Küniglberg ein offenes Geheimnis. "Aber beide sind für den ORF wichtig. Das ist eine Frage des optimalen Einsatzes und nicht der Versorgung", so ein Stiftungsrat.

Einen Generalsekretär wird es möglicherweise geben. Kolportierte Kandidaten wie SPÖ-Stiftungsrat Karl Krammer oder andere in Medien genannte ORF-Leute sind dafür nach APA-Informationen aber nicht vorgesehen. Im ORF geht man davon aus, dass Wrabetz vor der Installierung eines Generalsekretärs die Entwicklung der innenpolitischen Kräfteverhältnisse abwartet. Kommt es tatsächlich zur Bildung einer SPÖ-Minderheitsregierung fallen der SPÖ nämlich - zumindest bis zu Neuwahlen und einer danach neuerlichen Regierungsbildung - die neun Regierungs-Stiftungsräte im obersten ORF-Gremium zu, die derzeit noch mit ÖVP- und BZÖ-Leuten besetzt sind. Die SPÖ hätte mit einem Schlag 20 Stiftungsräte und damit die absolute Mehrheit in dem 35-köpfigen Aufsichtsorgan. Karl Krammer könnte dann zum Stiftungsratsvorsitzenden aufsteigen.

Vom Generalsekretär hängt schließlich auch ab, ob es künftig einen Marketingchef geben wird. ORF-Marketingchef Thomas Prantner steigt ja zum Onlinedirektor auf. Kommt im Februar ein Generalsekretär, dann könnte das Marketing des öffentlich-rechtlichen Senders in das Generalsekretariat eingebunden werden.

(apa/red)

14.11.2006 12:26