Dienstag, 7. November 2006

Wiener Universitäts-Sternwarte: Forscher entdeckten erstaunlich junge Riesensterne

  • Rote Riesen in Milchstraße drei Milliarden Jahre alt
  • Neue Theorien zur Entstehung der Milchstraße?

Mit drei Milliarden Jahren erstaunlich junge Rote Riesensterne entdeckte ein internationales Team von Astrophysikern unter der Leitung von Wissenschaftern der Wiener Universitäts-Sternwarte. Bisher galten Rote Riesen als alte Sterne, die sich dem Ende ihrer Leuchtperiode nähern. Nun müssen die gängigen Theorien zur Entstehung der zentralen Region der Milchstraße noch einmal überprüft werden.

Die Altersbestimmung gelang den Astronomen bei Beobachtungen am "Very Large Telescope" der Europäischen Südsternwarte (ESO) durch die Entdeckung des Elements Technetium in den Roten Riesen. Österreich ist bisher nur Gast bei dieser weltweit führenden Astronomieorganisation, Verhandlungen über eine Mitgliedschaft laufen jedoch derzeit.

Technetium wird im Inneren von Roten Riesen erzeugt, zerfällt aber auch sehr rasch wieder. "Durch seine Zerfallszeit von nur 200.000 Jahren liefert Technetium den einzigen direkten Beweis für gerade stattfindende Elementerzeugung und die Durchmischung verschiedener Sternschichten", erklärte Josef Hron, Professor am Institut für Astronomie der Universität Wien. Technetium gilt daher als wichtiger Test für Sternmodelle.

Auf der Erde kommt Technetium nur als Zerfallsprodukt von Uran natürlich vor, es entsteht aber auch bei der Aufbereitung von Brennstäben für Kernkraftwerke. Kommerziell angewendet wird Technetium vor allem in der Nuklearmedizin, wo es zum Beispiel für die Tumordiagnose von hoher Bedeutung ist.

"Bulge" 26.000 Lichtjahre entfernt
Die Astronomen untersuchten Sterne in der zentralen Verdickung unserer Milchstraße, dem so genannten "Bulge". Diese Komponente unseres Sternsystems ist von der Erde etwa 26.000 Lichtjahre entfernt. Sterne nahe dem Zentrum der Galaxis eignen sich besonders gut für derartige Untersuchungen, weil ihre Entfernung sehr gut bekannt ist und somit das sonst schwierige Problem der Entfernungsbestimmung umgangen werden kann.

Beobachtungen von anderen Sternen in dieser Region ergaben ein Alter von etwa zehn Milliarden Jahren. Schwere Sterne mit nachweisbarem Technetium sollten nach den gängigen Theorien längst erloschen sein. Dass dem nicht so ist, kam für die Forscher überraschend. Wie die scheinbar widersprechenden Ergebnisse zu deuten sind, müssen weitere Arbeiten zeigen. Die jüngsten Untersuchungen wurden vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) unterstützt.

(apa/red)

7.11.2006 16:29