Dienstag, 14. November 2006

"Mehr als drei" Angebote für BAWAG: Alle erwarteten Interessenten noch im Rennen

  • Offerte werden bewertet und gehen an den ÖGB
  • BayernLB: "Haben verbindliches Offert vorgelegt"

Nun hat das vom ÖGB mit dem BAWAG-Verkauf beauftragte Investmenthaus Morgan Stanley die bindenden - und zum Teil bereits aufgebesserten - Kaufofferte für die angeschlagene Gewerkschaftsbank auf dem Tisch. Wer etwas nachliefern will, kann das noch ein paar Stunden lang tun. Zur Zahl der eingelangten Übernahmeangebote sagte ein Morgan-Stanley-Sprecher nur: "Signifikant mehr als drei".

Und "alle, von denen wir ein Offert erwartet haben, haben ein Angebot übermittelt", erklärte der Sprecher von Morgan Stanley.

In der Finanzbranche war etwa ein halbes Dutzend endgültiger Offerte erwartet worden. Um die direkten Bieter dürften sich in der Folge noch neue Partnerschaften entwickeln. Auch die Post wollte sich in ein Siegerkonsortium in irgend einer Weise einklinken.

Die nächsten zwei bis drei Tage werden die Angebote und Strategien nun bewertet und gereiht, dann gehen die Berater damit in die Spitzengremien des Österreichischen Gewerkschaftsbunds. Anfang nächster Woche werden - nach Sitzungen der ÖGB-Spitzen - Details zum Ausgang des Bieterverfahrens erwartet.

Morgan Stanley und ÖGB schweigen sich weiter aus über den Bieterkreis. Verbindlich geboten haben jedenfalls BayernLB, die US-Fonds Cerberus (samt Wüstenrot und Generali) und Lone Star. Die Allianz soll, entgegen gestern Nacht aufgetauchter anderslautender Spekulationen, nach wie vor im Rennen sein. Ebenso weitere internationale Fonds (JC Flowers, Apollo). Apollo hätte in der Causa BAWAG die deutsche Versicherung Talanx mit an Bord, weiß das "Wirtschaftsblatt". Im Finale um die BAWAG war ein Fight vor allem zwischen der Gruppe Allianz/Dresdner und Cerberus erwartet worden.

Viel Geld sollen vor allem die amerikanischen Finanzinvestoren bieten, der Großinvestor KKR allerdings hat sich während des Bieterverfahrens bereits leise verabschiedet. Viel Geld aus dem BAWAG-Verkauf erhofft sich vor allem auch der BAWAG-Garantiegeber Republik Österreich für den ÖGB.

Finanzminister Karl-Heinz Grasser, der noch im September gegen einen Verkauf der BAWAG an "Heuschrecken" war - also kurzfristig orientierte Fonds, die über ein Unternehmen herfallen, es ausnehmen und wieder weiter ziehen -, sieht jetzt nur den Österreichischen Gewerkschaftsbund in einer pikanten Situation. Ausgerechnet die Gewerkschaft, die jahrzehntelang Neoliberalismus und Turbokapitalismus kritisierte, müsse nun mit von ihr so bezeichneten "Heuschrecken" verhandeln.

Grasser selbst hat nichts dagegen, dass die fünftgrößte Bank jetzt ans Ausland wandert: Für ihn sei nicht unbedingt entscheidend, dass ein Bieter aus Österreich kommt. Vielmehr gehe es um eine so weit wie möglich "österreichische" Lösung. "Der ÖGB ist am Zug", sagte Grasser vor Journalisten. Neben dem Verkaufserlös, der den ÖGB aus den Schulden und die Steuerzahler aus der 900-Millionen-Haftung für die BAWAG entlassen müsse, gälten strategisch ähnliche Kriterien, die man bei der Privatisierung von ÖIAG-Unternehmen angelegt habe. Vorrangig sei, dass das Headquarter der Bank in Österreich bleibe, dass Arbeitsplätze gesichert seien und dass der neue Eigentümer nachhaltiges Interesse an der Bank habe.

Grasser hat den Eindruck, dass die Verkaufsverhandlungen um die Gewerkschaftsbank gut laufen. "Unter dem Strich" werde herauskommen, dass der künftige Eigentümer besser sein werde als der Gewerkschaftsbund es für die BAWAG gewesen sei. "Drei Milliarden Schaden ist die schlimmste Bilanz, die man legen kann".

Vor dem BAWAG-Verkauf vorsorgen will der Bund, dass die noch rund 5 Mrd. Euro betragende Bundeshaftung für die einstigen P.S.K.-Einlagen nicht schlagend wird. Die Finanzprokuratur bastelt hier an rechtlichen Formulierungen, die in den BAWAG-Verkaufsvertrag einfließen sollen. Jeder Käufer habe dies zu akzeptieren, sagte Grasser heute. Auch Morgan Stanley und der ÖGB wüssten dies.

Die BAWAG P.S.K. ist Hausbank der Republik, wickelt zahlreiche Zahlungsverkehrstransaktionen und Geschäfte für die öffentliche Hand ab. Ob Grasser hier an eine Neuausschreibung denkt? Datensicherheit sei zunächst einmal Eigentümer-unabhängig, sagt der Minister, Er hätte aber ein ruhigeres Gefühl, wenn dies von einem österreichischen Institut gemacht würde. In der Branche wird damit gerechnet, dass nach dem Verkauf der BAWAG Teile der öffentlichen Geschäfte an österreichische Banken weiterverkauft werden.

(apa/red)

14.11.2006 16:20