Post-Aktie mit 100% Kursgewinn in einem halben Jahr: Aktie bei Ausgabe zu billig?
- SPÖ-Vorwurf an ÖIAG: Schaden am Steuerzahler
- Klage gegen Investmentbanken wird überlegt
An der Wiener Börse hat die Aktie der Österreichischen Post AG einmal mehr für Aufsehen gesorgt. Nach ihrem Börsegang Ende Mai hatte sie ihren Aktien-Kurs in nicht einmal einem halben Jahr verdoppelt. In Börsen-Kreisen heißt es, dass vor allem US-Fonds zugekauft haben. Die SPÖ meint jetzt, dass die Staatsholding ÖIAG die Post zum Schaden des Steuerzahlers zu billig verkauft hat und ist für eine Schadenersatzklage gegen die damals beratenden Investmentbanken. Die ÖIAG weist die Vorwürfe zurück. Die Mehrzahl der Analysten rechnet nicht mehr damit, dass die Aktie noch weiter steigen wird.
Ursprünglich hatte die Post ihren Anlegern in erster Linie hohe Dividenden versprochen. Auch wenn nicht mit starken Kurssprüngen zu rechnen sei, würden die Anleger mit jährlichen Ausschüttungen zufrieden gestellt werden, war die Botschaft der Börsianer. Gekommen ist es völlig anders. Die Staatsholding ÖIAG hatte das Unternehmen vor fünfeinhalb Monaten für 19 Euro je Aktie an die Börse gebracht. Mittlerweile steht das Papier bei rund 38 Euro.
Der Wiener Leitindex ATX ist - zum Vergleich - im selben Zeitraum nur um rund 10 Prozent gestiegen. Die Aktie der Deutschen Post hat in der Zeit nur 3 Prozent zugelegt.
Hohe Gewinne erwartet
Grund für den jüngsten Höhenflug war nach Meinung der Analysten zum einen die Übernahme des deutschen Logistikanbieters trans-o-flex, die die Post erst kürzlich bekannt gegeben hat. Die Post habe dabei einen sehr guten Preis herausgeschlagen, hieß es. Außerdem rechnen die Anleger damit, dass die Gewinne unabhängig davon heuer noch höher ausfallen könnten als erwartet.
Noch stärker wirkt sich nach Meinung von Raiffeisen-Analyst Bernd Maurer aber die Tatsache aus, dass die europäischen Postmärkte entgegen bisheriger Erwartungen doch noch nicht 2009 vollständig für den Wettbewerb geöffnet werden. Blieben die jetzt noch geschützten Märkte auch nach 2009 komplett dicht, könne das den Post-Aktionären womöglich noch weitere Kursgewinnen bescheren, sagte Maurer. Die Entscheidung darüber fällt voraussichtlich im nächsten Jahr.
Auch Postler profitieren vom Kursanstieg
Vom rasant gestiegenen Aktienkurs der Post haben nicht nur die Investmentfonds und privaten Anleger profitiert, sondern auch rund 13.400 Postler. Sie haben im Rahmen eines Mitarbeiterprogramms zu vergünstigten Konditionen 2,5 Prozent des Unternehmens erworben. Die Gewerkschaft, die den Börsegang für verfrüht gehalten hat, verweist allerdings darauf, dass Mitarbeiter, die jetzt schon aussteigen, ihre Prämie zurückzahlen müssten und dadurch mit weniger Gewinn aussteigen würden. Dennoch seien auch der Gewerkschaft steigende Kurse lieber als fallende, zumal Kursverluste nur zu Einsparungen bei der Belegschaft führten, sagte Betriebsratssprecher Martin Palensky.
Jubeln kann auch der Vorstand. Nach den öffentlich einsehbaren Aufzeichnungen der Finanzmarktaufsicht, haben die vier Post-Vorstände zusammen für 950.000 Euro offiziell knapp 50.000 Aktien erworben. Gemessen am Aktienkurs sind diese Anteil jetzt rund 1,9 Mio. Euro wert.
Draufgezahlt hat dagegen indirekt der Finanzminister, der von der Staatsholding jedes Jahr Dividenden abschöpft. Die ÖIAG hatte aus dem Verkauf von 49 Prozent der Post am 31. Mai rund 650 Mio. Euro erlöst - die Einnahmen sind laut damaligen Regierungsaussagen in Forschung und Entwicklung geflossen. Heute ist das Unternehmen gemessen am Börsekurs insgesamt knapp 2,7 Mrd. Euro wert.
ÖIAG: "Preis war optimal"
Die Staatsholding zeigte sich überzeugt davon, dass sie die Österreichische Post AG im Mai zum damals höchstmöglichen Preis an die Börse gebracht hat. Das Papier sei damals "am obersten Ende des gemeinsam mit Experten internationaler Investmentbanken festgelegten Preisbandes platziert worden". "Aus der Perspektive des Transaktionszeitraums war der Preis optimal", ließ ÖIAG-Chef Peter Michaelis auf APA-Anfrage ausrichten. Außerdem verwies er darauf, dass auch die ÖIAG als nach wie vor Mehrheitsaktionär der Post "von der hervorragenden Entwicklung der Aktie" profitiere. Die 51 Prozent, die die Staatsholding am Unternehmen noch hält, sind heute praktisch genauso so viel wert wie nach der damaligen Bewertung die gesamte Post AG.
SPÖ-Wirtschaftssprecher Johann Moser, damals deklarierter Gegner des Börsegangs, sieht sich dagegen in seiner seinerzeitigen Kritik bestätigt, dass die Post "zum völlig falschen Zeitpunkt an die Börse gebracht" worden sei. "Ich bin überzeugt, dass die Preissetzungspolitik völlig verkehrt war", sagte er.
Experten uneinig über weiteren Kursverlauf
Nach der Verdoppelung des Börsenkurses der Österreichischen Post AG sind die Analysten uneinig, wie sich die Aktie weiter entwickeln wird. Raiffeisen, CA IB und Deutsche Bank haben zuletzt ihre Anlageempfehlung von "kaufen" auf "hold" heruntergestuft. Die Anleger sollen ihre Aktien behalten und nicht mehr zukaufen, heißt das. Die "Erste Bank" dagegen hat ihre Kaufempfehlung ("accumulate") noch nicht verändert und will jetzt erst einmal die Ergebnisse des dritten Quartals abwarten. (apa)
Syrien-Krise18:14
Obama ein Feigling?Wegschauen oder eingreifen? US-Präsident schweigt zum Massaker von Houla
Nachbeben in Italien20:01
Mehrere TodesopferErneut große Schäden und Tote nach schweren Erdstößen in Norditalien

