Berlusconis Mediaset will ProSiebenSat.1: Keine Details über Höhe des Angebots!
- Deutsche Politiker äußern Zweifel an Übernahme

Italiens größter privater Medienkonzern Mediaset hat nun auch offiziell sein Interesse an der deutschen ProSiebenSat.1-Gruppe angemeldet. Das teilte die von der Familie des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi kontrollierte Mediaset-Gruppe nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Ein möglicher Deal mit der deutschen Senderkette wäre für Berlusconi der erste Schritt auf einen Auslandsmarkt seit der Übernahme eines Mehrheitsanteils an der spanischen Fernsehstation Telecinco vor vier Jahren.
Jetziger Mehrheitseigner von ProSiebenSat.1 ist eine Investorengruppe um den US-Milliardär Haim Saban. Diese Investorengruppe hatte möglichen Kaufinteressenten eine Frist bis 7. November für unverbindliche Kaufangebote genannt. Nach Angaben von Mediaset waren Saban und seine Partner über eine Bank an das italienische Unternehmen herangetreten, sich unverbindlich an einem Auktionsverfahren zu beteiligen.
Mediaset teilte keine Einzelheiten zu einem möglichen Angebot mit. Das gesamte Verfahren unterliege strikter Geheimhaltungspflicht, erklärte das Unternehmen, das zugleich seine Quartalszahlen vorlegte. Demnach sank der Nettogewinn im dritten Quartal um 3,7 Prozent auf 36,6 Mio. Euro. Grund seien rückläufige Werbeeinnahmen. Der Umsatz legte um 8,8 Prozent auf 677 Mio. Euro zu.
Deutsche Politiker äußern Zweifel
Gegen eine Übernahme von ProSiebenSat.1 durch das Berlusconi-Medienimperium regt sich in Reihen der deutschen Politik Widerstand. Nach der SPD äußerten sich auch Unionspolitiker besorgt. "Wir betrachten die Bemühungen des italienischen Medienunternehmens Mediaset, den Fernsehsender ProSiebenSat.1 zu übernehmen, mit Sorge", teilten die Unions-Medienexperten Wolfgang Börnsen und Reinhard Grindel in einer gemeinsamen Erklärung in Berlin mit.
Es müsse im Interesse aller medienpolitisch Verantwortlichen sein, "dass auch bei privaten Fernseh-Anbietern ein Mindestmaß an qualitativ guten und politisch unabhängigen Programmen gewährleistet ist", erklärten die CDU-Politiker. Der SPD-Vorschlag, ausländischen Medienunternehmen nur eine Minderheitsbeteiligung zuzugestehen, werde jedoch in der EU auf wettbewerbsrechtliche Bedenken stoßen.
Die Unionsexperten forderten deshalb mit Blick auf die im Januar gescheiterte Übernahme des Fernsehkonzerns durch Springer die kartellrechtlichen Bestimmungen zu lockern und dem Standard der EU anzupassen: "Grundsätzlich sind wir dafür, dass Fernsehprogramme eher aus Berlin, Köln, München oder Hamburg als aus Mailand, London oder Los Angeles gesteuert werden", erklärten Börnsen und Grindel. (apa/red)
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