Montag, 13. November 2006

Last Minute-Tor rettet Remis für Rapid: Hütteldorfer grundeln weiter im Liga-Keller

  • 1:1 - Pasching fehlt nur Sekunden zum Auswärtssieg
  • Wieder Protestaktionen der Grün-Weißen Anhänger

Die Talfahrt von Rapid hätte beinahe einen historischen Tiefpunkt erreicht. Die Hütteldorfer kamen durch ein Freistoßtor des in der 79. Minute eingewechselten Petr Vorisek in letzter Sekunde (92.) noch zu einem 1:1 im Heimspiel gegen den (vor der Runde) Tabellenzweiten FC Superfund Pasching. Yüksel Sariyar hatte die Oberösterreicher nach einem sehenswerten Solo in der 81. Minute in Führung gebracht.

Wäre es beim 1:0 für Pasching geblieben, wäre Rapid in der 17. Runde erstmals in der Klubgeschichte in einer so fortgeschrittenen Phase der Meisterschaft auf den Abstiegsrang abgerutscht. Wie Erzrivale Austria, der in Ried 0:1 verlor, halten die Grün-Weißen nur bei mageren 17 Punkten und einer Tordifferenz von minus drei, allerdings spricht im Moment die Anzahl der erzielten Treffer für die Rapidler (22:25), weshalb die Austria (16:19) nun wieder Schlusslicht ist.

Rapid-Mittelfeldregisseur Steffen Hofmann gab bereits 105 Tage nach seinem Innenseitenbandriss im linken Knie bei der 0:1-Auswärtsniederlage gegen Ried (29.7.) sein Comeback. Es war die erste Heimpartie für den 26-jährigen Deutschen, der bis zur 82. Minute spielte, seit seiner Heimkehr von 1860 München im Sommer. Mit 84 Ballkontakten war der Kreativspieler gleich beim Comeback auffälligster und bester Rapidler.

Protestaktion mit leeren Tribünen
Der harte Kern der Rapid-Fans, die ins Hanappi-Stadion gekommen waren, sah Hofmann allerdings erst ab der 32. Minute auf die Beine. Die Westtribüne blieb nämlich die ersten 31 Minuten (in Anlehnung an die 31 österreichischen Meistertitel des Rekordchampions) leer, ebenso der Großteil der Osttribüne, auf der ein Transparent mit der Aufschrift "Außer Betrieb" befestigt war.

Die rund 2.500 Anhänger begründeten ihren "Streik" auf einem an der Westseite montierten Spruchband: "An die Verantwortlichen: Wir schauen nicht mehr zu, wie ihr das zerstört, was uns am meisten am Herzen liegt!" Die anderen Rapid-Anhänger waren mit dieser Aktion nicht einverstanden, denn als sich die West- und Osttribüne füllte, gab es gellende Pfiffe. Außerdem skandierten die Zuschauer auf der Nord- und Südtribüne: "Wir sind Rapid - und wer seid Ihr?"

Die Partie war zwar von Beginn weg überaus flott, doch die ganz großen Chancen blieben zunächst aus. Rapid agierte gefährlicher, Pasching wirkte aber kompakter. Hofmann agierte von Beginn weg überaus engagiert, man merkte, dass er auf schnellstem Wege wieder in die Führungsrolle schlüpfen will, wie 45 Ballkontakte in Hälfte eins beweisen.

Hofmann dirigiert ohne Torerfolg
Der Franke war es auch, der unmittelbar vor der Pause mit Freistoß-Flanken die besten Möglichkeiten einleitete, doch der Kopfball von Bejbl aus kurzer Distanz, aber spitzem Winkel ging daneben, während der Schuss von Martin Hiden aus 18 Metern zu zentral ausfiel (45./45.+1). Kurz nach dem Wechsel sorgte ein Hofmann-Pass auf Hoffer beinahe für die Führung. Beim Direktschuss des U21-Team-Stürmers von der Strafraumgrenze musste sich Pasching-Schlussmann Schicklgruber gehörig strecken, um ihn aus dem Eck zu "fischen" (48.).

Die zweite Hälfte stand zwar klar im Zeichen von Rapid, doch die Tore blieben aus. Hoffer (Drehschuss aus 18 Metern, beim dem Schicklgruber mit den Fingerspitzen noch dran war) und Korkmaz (69./daneben) ließen die besten Chancen für die Hütteldorfer aus, und so bewahrheitete sich wieder einmal die alte Fußball-Weisheit, dass man Tore, die man nicht schießt, bekommt: Nach einem Pass des eingewechselten 17-jährigen Nigerianers Kennedy ließ Sariyar zunächst Katzer und dann auch noch Martin Hiden aussteigen und traf via Innenstange ins lange Eck zum vermeintlichen Siegtor für die Paschinger, die zuletzt zwei Zu-Null-Niederlagen - in Salzburg (0:3) sowie daheim gegen Tirol (0:2) - kassiert hatten.

Last Minute-Treffer rettet einen Punkt
Doch ausgerechnet ein ehemaliger Pasching-Spieler vereitelte in buchstäblich letzter Sekunde den Glückssieg der Gäste: Der Tscheche Vorisek traf mit der letzten Aktion per Freistoß aus fast 20 Metern genau ins Eck zum Ausgleich (92.). Damit sind die Hütteldorfer nun schon seit sechs Spielen bzw. seit 30.9. (4:1-Heimsieg gegen Mattersburg, bisher einziger Erfolg unter Trainer Peter Pacult, danach zwei Niederlagen und vier Remis) erfolglos. Pasching rutschte vor dem Sonntagsspiel hinter Mattersburg (2:0 in Altach) auf Platz drei zurück.

"Wir haben die Schnauze voll"
Die Rapid-Fans, die einige Minuten nach Spielende aufs Feld gestürmt waren, skandierten vor dem Eingang zu den Spielerkabinen: "Wir haben die Schnauze voll." Als Rapid-Sportdirektor Peter Schöttel versuchte, die Gemüter zu beruhigen, schallten ihm "Hanse, Hanse"-Rufe entgegen, da einige Anhänger lieber Rapid-Legende Hans Krankl auf diesem Posten sehen würden.

Schließlich wurde vereinbart, dass es zwischen Fan- und Klub-Vertretern von Rapid zu einem Gespräch kommen wird. Nach etwas mehr als einer Dreiviertelstunde verließen schließlich auch die letzten protestierenden Anhänger das Spielfeld.

(apa/red)

13.11.2006 09:07