Freitag, 10. November 2006

Budget für Salzburg 2014 auf wackligen Beinen? Weitere Widersprüche aufgetaucht!

  • Aufsichtsratschef Schaden: "So nicht beschlussfähig"
  • Wogen gehen hoch: FPÖ fordert Sondergemeinderat

Die Diskussion über das geplante Budget für Olympische Winterspiele 2014 in Salzburg ist weiterhin von Widersprüchen geprägt. Der Chef des Aufsichtsrates, Bürgermeister Heinz Schaden, ortet im Budget Punkte, "die so nicht beschlussfähig sind", das Bewerbungsbüro hingegen spricht von einem ausgeglichenen Budget. Sorgen bereitet Schaden zudem, dass es vom Bund noch keinen Beschluss für eine Haftungsübernahme gibt. Und die FPÖ forderte einen Sondergemeinderat.

Für den Bürgermeister Salzburgs gibt es bei den Finanzen noch viele Unklarheiten: Man habe mit Einnahmen aus den TV-Rechten in der Höhe von rund einer Milliarde US-Dollar (781 Mio. Euro) gerechnet, vor einiger Zeit sei dann die Mitteilung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) eingelangt, dass der Austragungsort lediglich 310 Millionen Dollar (242 Mio. Euro) TV-Gelder erhalten werde. Nach Ansicht Schadens seien diese Fernseh-Einnahmen auch nur mehr "sehr begrenzt verhandelbar". Das Budget hatte laut Schaden ursprünglich ein Volumen von 1,2 Mrd. Euro, nun umfasse es nur mehr rund eine Mrd. Dollar.

Er habe daher den Mitarbeitern der Bewerbungsgesellschaft mitgeteilt, dass im Budget, das am 22. November im Aufsichtsrat abgesegnet werden soll, nicht beschlussfähige Punkte seien. Der Versuch, ein ausgeglichenes Budget vorzulegen, sei "in der Art und Weise nicht realistisch", erklärte der Vorsitzende. Details des Budgets wollte Schaden allerdings keine nennen.

"Wir haben nicht mit Schätzungen budgetiert, sondern mit jenen Einnahmen, die uns im Juli vom IOC genannt wurden", meinte hingegen Planungs-Direktor Gernot Leitner. Leider habe es bisher darüber noch kein Gespräch mit dem Bürgermeister gegeben, in den nächsten Tagen seien aber Unterredungen geplant.

Für Leitner gibt es auch kein großes Loch bei den TV-Einnahmen. Man müsse die für 2014 hochgerechneten 750 Millionen Dollar (im der APA vorliegenden Papier war von 750 Mio. Euro für 2010 die Rede, Anm.) auf das Jahr 2006 "zurückinflationieren". Dies sei die Basis für sämtliche Hochrechnungen gewesen, was einen Betrag von rund 600 Mio. Dollar ergeben würde. Davon müsse man nochmals 150 Mio. Dollar an Kosten für die TV-Produktion abziehen, weil diese Ausgaben nun das IOC übernehme. Und erst dann seien die Beträge vergleichbar.

Der FPÖ-Klub forderte Schaden auf, unmittelbar nach der Aufsichtsratssitzung eine Sondersitzung des Gemeinderates einzuberufen. Schaden müsse dem Gemeinderat ohne zeitliche Verzögerung über die Ergebnisse der Aufsichtsratssitzung Bericht erstatten und eine Diskussion über die entstandenen finanziellen Probleme und deren Auswirkungen auf die Stadt ermöglichen", forderte Klubobfrau Doris Tazl. Als in höchstem Maße aufklärungsbedürftig bezeichnete sie es, dass der Aufsichtsrat der Bewerbungsgesellschaft überhaupt erst Ende November über die finanziellen Ungereimtheiten diskutiere. Der IOC-Brief, aus dem sich die Finanzierungsprobleme ergäben, stamme vom 18. Juli.

Haslauer und Raus warnen vor voreiligem Ausstieg
Vor einem voreiligen Ausstieg aus der Salzburger Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2014 warnten unterdessen Wirtschafts- und Tourismusreferent LHStv. Wilfried Haslauer (V) und der für Sport und Finanzen zuständige LHStv. Othmar Raus (S) in einer gemeinsamen Aussendung. Beide meinten, dass mit Verhandlungen noch viel erreicht werden könne.

Die Bewerbung werde derzeit mit voller Kraft weitergeführt. Salzburg liege im Vergleich zu den beiden anderen Bewerberstädten Pyeongchang (Südkorea) und Sotschi (Russland) gut im Rennen. Die beiden Landespolitiker räumten aber ein, dass die Bundeshaftung und die Gelder aus den TV-Rechten noch zwei offenen Fragen wären.

"Beide Probleme sind jedoch mit gutem Willen auf allen Seiten noch lösbar. Dazu müssen einerseits Verhandlungen mit dem Bund anderseits Verhandlungen mit dem IOC geführt werden," erklärten Raus und Haslauer. "Olympia 2014 in Salzburg ist ein zu wichtiges Projekt, um bereits jetzt den Ausstieg zu verkünden, bevor nicht alles versucht wurde, die beiden Problemkreise zu lösen."

(apa/red)

10.11.2006 14:56