Freitag, 10. November 2006

Wegen UN-Entwurf: Iran droht offen mit
'Überdenken' der Zusammenarbeit mit IAEO

  • Larijani: Resolution zu Atomstreit inakzeptabel

Der Iran hat für den Fall der Verabschiedung einer UN-Resolution zu seinem umstrittenen Atomprogramm offen die Zusammenarbeit mit den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) in Frage gestellt. Der von den Europäern vorgelegte Entwurf für eine UN-Resolution sei inakzeptabel, sagte Teherans Chefunterhändler Ali Larijani laut Berichten russischer Nachrichtenagenturen in Moskau.

Sollte der Vorschlag ohne die von Russland vorgeschlagenen Änderungen verabschiedet werden, werde sein Land die Kooperation mit den UN-Inspektoren "überdenken". Der russische Außenminister Sergej Lawrow sprach sich erneut für eine diplomatische Lösung des Streits aus.

Larijani sollte in Moskau mit Lawrow und dem Chef des russischen Sicherheitsrats Igor Iwanow Gespräche über die festgefahrenen Verhandlungen im Atomstreit führen. Er betonte, der Iran werde an der Weiterentwicklung der Atomkraft auch dann festhalten, wenn die russischen Vorschläge in den Resolutionsentwurf einflössen. Es müsse "ein logischer Weg" zur Lösung des Streits gefunden werden. Teheran stehe dem russischen Kompromissvorschlag weiterhin offen gegenüber, für das iranische Atomprogramm benötigtes Uran in russischen Fabriken anreichern zu lassen. "Der Vorschlag bleibt auf dem Verhandlungstisch", betonte Larijani gegenüber der Nachrichtenagentur RIA Nowosti.

Lawrow sprach sich erneut für eine Verhandlungslösung aus. Moskau will auch wegen seiner eigenen Beteiligung am Bau des zivilen Atomkraftwerks Bushehr eine Konfrontation vermeiden. Die USA werfen Teheran vor, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung Atomwaffen produzieren zu wollen, und fordern einen Stopp der Bauarbeiten. Teheran weist die Anschuldigungen zurück und beharrt auf seinem Recht zur zivilen Nutzung der Atomenergie.

Ein informelles Treffen von Vertretern der fünf Sicherheitsratsmitglieder - China, USA, Frankreich, Großbritannien, Russland - und Deutschlands in New York zu einer Iran-Resolution endete am Donnerstag erneut ohne Annäherung. Im August hatte Teheran ein in der Resolution 1696 gesetztes Ultimatum zum Stopp der Urananreicherung verstreichen lassen. Die UNO berät nun seit Wochen über eine Entschließung mit Sanktionen gegen Teheran. Moskau und Peking lehnen den Entwurf der europäischen Verhandlungsführer aber als zu weit gehend ab. Russland will bestimmte Maßnahmen aus dem Sanktionskatalog streichen. Dazu gehören geplante Reiseverbote für Mitglieder der iranischen Führung und das Einfrieren iranischer Gelder im Ausland. (APA/red)

10.11.2006 13:50