Mittwoch, 8. November 2006

25 Tote nach Angriffen der israelischen Armee: Hamas kündigt neue Anschläge an!

  • Frauen und Kinder sterben nach Granatenangriff
  • Meshaa: "Der Widerstand handelt und redet nicht"

Nach israelischen Angriffen auf den Gaza-Streifen mit 19 Toten hat die radikale Hamas erstmals seit eineinhalb Jahren neue Selbstmordanschläge angekündigt. Unter den getöteten Zivilisten bei Angriffen auf Wohnhäuser in Beit Hanoun waren nach palästinensischen Spitalsangaben sieben Kinder und fünf Frauen. Sechs weitere Palästinenser starben bei Feuergefechten im Gaza-Streifen und im Westjordanland. Die israelische Polizei ordnete aus Furcht vor Anschlägen landesweit erhöhte Alarmbereitschaft an.

Palästinensische Augenzeugen berichteten, in den frühen Morgenstunden seien binnen zehn Minuten insgesamt vier Granaten in Wohnhäuser in Beit Hanoun eingeschlagen. Die Menschen seien von dem Angriff im Bett überrascht worden. Viele der Toten seien Mitglieder einer Familie.

Vorwürfe auch an die USA
Der Exil-Chef der Hamas, Khaled Meshaal (Mechaal/Mashaal), warf den USA vor, Mitschuld an den Angriffen zu tragen. "Den Palästinensern sage ich, antwortet auf diese Massaker mit (bewaffnetem) Widerstand", erklärte Meshaal in der syrischen Hauptstadt Damaskus. "Wir prangern dieses Massaker an. Wir prangern es nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten an. Der Widerstand handelt und redet nicht." In Beit Hanoun sagte der Hamas-Vertreter Nizar Rayan, das "schreckliche Massaker" solle mit neuen Selbstmordanschlägen gerächt werden.

Der militärische Arm der Hamas "Brigaden Ezzedin al-Kassam" rief zu Anschlägen auf US-Ziele in Nahen Osten auf. In einer am Mittwoch in Gaza verbreiteten Erklärung wurden die USA beschuldigt, "politischen und logistischen Schutz für Verbrechen der zionistischen Besatzung" zu geben. "Erteilt dem amerikanischen Feind eine gnadenlose Lektion, die er nicht nicht vergisst", hieß es in dem an Araber und Moslems gerichteten Aufruf.

Abbas-Kritik an Israel
Der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas warf Israel vor, die Möglichkeiten für einen Frieden zu zerstören. Die Palästinenser seien mit ihrer Geduld am Ende. "Wir müssen unsere Stimme erheben und der ganzen Welt sagen, den Vereinten Nationen und Europa, dass sie diese grausamen Taten untersuchen, die Israel begeht", sagte Abbas vor Journalisten in Gaza.

Olmert bedauert Angriff
Israels Premier Ehud Olmert äußerte Bedauern über das Geschehene. Israel sei zu humanitärer und medizinischer Hilfe für die Opfer bereit. Ministerpräsident Olmert und Verteidigungsminister Amir Peretz bedauerten den Tod von palästinensischen Zivilisten im nördlichen Gaza-Streifen, teilte die israelische Regierung mit. Peretz ordnete an, bis zum Abschluss einer Untersuchung alle Artillerieangriffe auf den Gaza-Streifen einzustellen. Außenministerin Tzipi Livni bekräftigte jedoch das Recht Israels auf Selbstverteidigung.

Regierungssprecherin Miri Eisin erklärte, dass sich Israel seiner Verantwortung stellen werde, falls Fehler gemacht worden seien. Die Offensive gegen palästinensische Extremisten und Raketenangriffe im Gaza-Streifen werde aber weitergeführt. Nach dem Ende der sechstägigen israelischen Militäroperation "Herbstwolken" in Beit Hanoun waren am Dienstag aus dem Gaza-Streifen abgefeuerte Raketen in der Küstenstadt Ashkelon eingeschlagen.

EU-Kommission entsetzt
Die EU-Kommission zeigte sich entsetzt. Sie sei zutiefst schockiert über den Tod so vieler Kinder, erklärte EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner am Mittwoch in Brüssel. "Israel hat das Recht auf Selbstverteidigung, aber nicht um den Preis des Lebens Unschuldiger." Der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy warnte vor einer "gefährlichen Zuspitzung" der Gewalt. Italien kritisierte den Angriff Israels als Massaker. Außenminister Massimo D'Alema sprach vor Journalisten von einer nicht akzeptablen Eskalation der Gewalt. (apa/red)

8.11.2006 15:29