Mittwoch, 8. November 2006

Drohende Jahrhundertflut in Paris: Seine- Metropole trifft schon jetzt Vorkehrungen

  • Hochwasser trifft Frankreichs Hauptstadt alle 5 Jahre
  • Kritiker halten Schutzplan weiterhin für unzulänglich

Keller und Erdgeschoss des Pariser Louvre stehen unter Wasser und die Flut hat die Metro lahm gelegt: Dieses Katastrophenszenario eines neuen Jahrhunderthochwassers ist für Paris ein Albtraum. Um die Schäden zu minimieren, wenn die Seine das nächste Mal großflächig über die Ufer tritt, sollen die Flutrisiken geprüft und neue Baubestimmungen für die gefährdeten Bereiche festgesetzt werden. Aber die geplanten Regelungen gehen längst nicht weit genug, meinen Kritiker.

Zuletzt wurde Paris 1910 durch eine Jahrhundertflut mehrere Wochen lang lahm gelegt. Damals erreichte der Pegelstand 8,62 Meter - normalerweise liegt er bei etwa einem Meter. Seitdem haben sich die Möglichkeiten, einem Hochwasser vorzubeugen, verbessert. Für die Seine wurden im Pariser Umland vier Speicherbecken angelegt, die bei Hochwasser gut 800 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen können. Eine Katastrophe kann dies aber nicht verhindern.

Letztes Hochwasser im Frühjahr 2001
Im Frühjahr 2001 hatte die Seine einen Stand von 5,21 Meter erreicht. Ein Hochwasser dieses Ausmaßes trifft Paris im Schnitt alle fünf Jahre. Im kommenden Frühjahr soll daher ein Plan zur Vorbeugung von Überschwemmungsrisiken in Kraft treten. Dieser sieht vor, dass in den ufernahen Zonen von Paris umweltschädliche, empfindliche oder wertvolle Güter, die unterhalb des höchsten bekannten Pegelstands gelagert werden, deklariert und geschützt werden müssen. Zudem ist der Neubau von Wohnungen unterhalb dieser Marke verboten, für bereits existierende Wohnungen sollen Auflagen gelten.

Kritik seitens der Grünen: zu viele Ausnahmeregelungen
Doch es gibt Ausnahmeregelungen. Zu viele, findet die Grünenfraktion im Pariser Stadtrat. So sind Neubauten in Überschwemmungszonen mit einer Grundfläche von unter 1.000 Quadratmetern weiter erlaubt. Darüber hinaus gelten die Regeln nicht für soziale und kulturelle Einrichtungen, für Sportstätten nur eingeschränkt. Ansonsten enthält der Hochwasser-Schutzplan nur Leitlinien, die Ausarbeitung konkreter Maßnahmepläne ist den Betroffenen selbst überlassen.

Schäden bis zu 12 Milliarden Euro möglich
Das Risiko für die 266.000 Menschen in den Überschwemmungsgebieten ist nach Einschätzung der Stadt recht gering, weil eine Flut nicht völlig überraschend hereinbrechen wird. Der Hochwasservorhersagedienst strebt eine Warnung drei Tage im Voraus an. Doch wenn die in den bedrohten Zonen angesiedelten Einrichtungen und Unternehmen dann nicht die geeigneten Schutzmaßnahmen ergreifen, droht nach Behördenschätzungen ein wirtschaftlicher Schaden zwischen 4,5 und zwölf Milliarden Euro. Schließlich liegen in den Überschwemmungszonen unter anderem 29 Museen, Ministerien, Fernseh- und Radiosender, Telefonanbieter, Schienennetze und Wasserversorgungseinrichtungen. Paris steckt also in einem Dilemma: Wenn die Seine-Ufer nicht geräumt werden sollen, kann die Stadt die Auswirkungen einer Überschwemmung nur zu mindern versuchen, aber nicht abwenden. Der Schutzplan wird daran nicht viel ändern.

(apa/red)

8.11.2006 13:02