Angriff auf Wohnhäuser im Gaza-Streifen: Mindesten 18 Palästinenser dabei getötet
- Opfer im Schlaf von Panzerangriff überrascht
- Peretz ordnet die Einstellung von Angriffen an
Bei einem israelischen Panzerangriff auf Wohnhäuser im Gaza-Streifen sind mindestens 18 Menschen im Schlaf getötet und mehr als 20 weitere verletzt worden. Unter den Todesopfern waren mindestens vier Frauen und bis zu acht Kinder. Der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas verurteilte den Angriff in der Nähe von Beit Hanoun als "schreckliches Massaker der Besatzungsmacht an unseren Kindern, Frauen und Alten". Die Regierung rief eine dreitägige Trauerzeit aus. Die Palästinenserführung forderte zudem eine Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrates.
Nach einer Krisensitzung erklärte der palästinensische Premier Ismail Haniyeh die Gespräche über die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit für ausgesetzt. Dies sei ein Zeichen des "Protestes gegen dieses schreckliche Massaker", sagte Haniyeh. Zuvor hatten sich die radikale Hamas und Abbas' gemäßigte Fatah auf eine Wiederaufnahme der Gespräche zur Bildung einer gemeinsamen Regierung geeinigt. "Wir haben das Recht auf Selbstverteidigung", sagte der Ministerpräsident.
Der israelische Verteidigungsminister Amir Peretz ordnete an, bis zum Abschluss einer Untersuchung alle Artillerieangriffe auf den Gaza-Streifen einzustellen. Regierungssprecherin Miri Eisin erklärte, dass sich Israel seiner Verantwortung stellen werde, falls Fehler gemacht worden seien. Die Offensive gegen palästinensische Extremisten und Raketenangriffe im Gaza-Streifen werde aber weitergeführt. Beit Hanoun stand in den vergangenen Tagen im Mittelpunkt einer israelischen Offensive, bei der in einer Woche etwa 50 Palästinenser getötet wurden, zumeist Mitglieder militanter Organisationen.
Innerhalb von 15 Minuten fünf Panzergranaten in einem Wohngebiet nördlich der Stadt Beit Hanoun eingeschlagen, wie palästinensische Polizisten mitteilten. Die getroffenen Häuser gehörten einer Großfamilie, zu der 13 der 18 Toten zählten. Vor der Kamal-Adwan-Klinik im nördlichen Gaza-Streifen versammelten sich mehrere tausend Palästinenser und riefen nach Rache.
Angesichts der seit einer Woche anhaltenden schweren Angriffe der israelischen Armee riefen sowohl ein Sprecher der Hamas als auch ein Sprecher der Fatah-Bewegung zur Wiederaufnahme von Selbstmordattentaten in Israel auf. "Wir rufen unsere Kämpfer in Tel Aviv, Jerusalem, Haifa, Jaffa und überall sonst zu Märtyrer-Aktionen auf", sagte der Hamas-Vertreter Nizar Rayan bei einer Demonstration in Beit Lahiya nahe Beit Hanoun. Auch Fatah-Sprecher Jamal Obeid rief zu neuen Selbstmordattentaten auf.
Bei einer Schießerei mit Soldaten wurde unterdessen ein 19-jähriger Palästinenser getötet. In Jenin im Westjordanland starben nach Angaben palästinensischer Ärzte fünf Palästinenser bei einem israelischen Angriff. (apa/red)
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