Nach israelischem Teilabzug aus Norden des Gaza-Streifens: Neue blutige Gefechte
- Israelische Armee tötet neun militante Palästinenser
- Weiter Uneinigkeit über palästinensische Regierung

Nach ihrem Teilabzug aus Beit Hanoun im Norden des Gaza-Streifens haben israelische Soldaten nach palästinensischen Angaben neun militante Palästinenser getötet. Der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas beschuldigte Israel, seine Sicherheit mit "palästinensischem Blut" gewährleisten zu wollen und die "Aggression" fortzusetzen. Die Bemühungen um Bildung einer palästinensischen Regierung der nationalen Einheit erlitten unterdessen erneut einen Rückschlag, nachdem Gespräche zwischen Abbas und dem Chef der Hamas-Regierung, Ismail Haniyeh, am Vorabend keine Einigung brachten.
Gepanzerte Einheiten seien aus Beit Hanoun abgezogen, aber weiter in dem palästinensischen Gebiet in Position, bestätigte die israelische Armee. Bei dem sechstägigen Einsatz in Beit Hanoun seien etwa 60 militante Palästinenser getötet worden, sagte eine Armeesprecherin in Tel Aviv. Erklärtes Ziel der Offensive war vor allem die Zerstörung palästinensischer Raketenstellungen. Israelische Soldaten haben im Norden des Gaza-Streifens drei Palästinenser beim Versuch eines Raketenangriffs auf Israel getötet. Die Männer seien in Beit Lahia von einer israelischen Rakete getroffen worden, während sie eine Kassam-Rakete auf israelisches Gebiet abfeuern wollten, verlautete aus palästinensischen Polizeikreisen in Gaza. Die israelische Armee erklärte auf Anfrage, sie prüfe den Bericht.
Zwei Mitglieder der Extremistengruppe "Islamischer Heiliger Krieg" seien bei einem Schusswechsel in Beit Lahia tödlich getroffen worden, sagten Krankenhausmitarbeiter in Gaza. Eine Armeesprecherin in Tel Aviv sagte dazu, zwei Bewaffnete hätten Soldaten angegriffen. Vier Palästinenser starben laut palästinensischen Krankenhausangaben nach israelischen Granateneinschlägen im Nordosten des Gaza-Streifens. Die israelische Armee erklärte, es sei als Reaktion auf Panzerfaustangriffe gefeuert worden. Ein Armeesprecher sagte in Tel Aviv, die Einheiten hätten ihren "Auftrag erledigt" und Dutzende von Palästinensern bei Feuergefechten und Luftangriffen getötet. Neun "Kommandos" seien angegriffen worden, als sie versucht hätten, Raketen auf Israel zu feuern. Dutzende Verdächtige seien festgenommen worden. Die Armee habe während der Offensive große Mengen Waffen beschlagnahmt, darunter Raketenwerfer, Panzerabwehrraketen und Granaten.
In Gaza wurde mitgeteilt, Abbas und Haniyeh würden in Bälde erneut zusammentreffen. Beide Seiten hatten zuvor erklärt, dass man sich im Grundsatz auf die Regierungsbildung verständigt habe. Letzte Fragen sollten bei dem Treffen geklärt werden. Ein Mitarbeiter des Präsidenten sagte, Abbas habe einen von Haniyeh präsentierten Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten abgelehnt. Abbas wolle nicht, dass die Hamas ihm einen Kandidaten aufzwinge. Der neue Premier soll eine unabhängige Persönlichkeit sein. Ein Hauptstreitpunkt ist weiterhin die Abbas-Forderung an die Hamas, Israel und die bisherigen Nahost-Abkommen anzuerkennen. Dies ist auch eine Bedingung für ein Ende der Sanktionen, die die Europäische Union und die USA nach dem Regierungsantritt der Hamas im März verhängt hatten.
(apa/red)
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