Dienstag, 7. November 2006

"Ursachenforschung" zu Kinderprostitution: In Tschechien wurden 500 Kinder angeboten

  • EU fordert Zusammenarbeit der Polizei mit NGOs

Die Grüne Fraktion im Europa-Parlament will das Problem der Zwangs- und Kinderprostitution im tschechischen Grenzgebiet nahe Österreichs und Deutschlands stärker ans Licht bringen. In Brüssel diskutierten Experten, Sozialarbeiter und Vertreter von Nicht-Regierungsorganisationen die Ursachen der Kinderprostitution, Möglichkeiten zur Bekämpfung und die Gründe für die Nachfrage durch die Täter.

Seit 1990 entwickelte sich nicht zuletzt auf Grund des großen wirtschaftlichen Gefälles zwischen Österreich und Deutschland einerseits und Tschechien andererseits eine Prostitutionsszene, die auch Zwangsprostitution und die sexuelle Ausbeutung Minderjähriger einschließt.

"Das Problem ist sehr vielschichtig"
Dieser Wohlstandsunterschied sei jedoch nur eine der Ursachen der Problematik, betonte Cathrin Schauer, die sich im Rahmen des Vereins KARO mit grenzüberschreitender Sozialarbeit im Bereich Prostitution beschäftigt, im Gespräch mit der APA. "Das Problem ist sehr vielschichtig. Es gibt nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine gesellschaftliche Schieflage, und die Nachfrage durch die Täter."
Die Erforschung der Ursachen dieser Missstände sei besonders wichtig, um präventiv mit den Frauen und Kindern arbeiten zu können. Daher müsse man auch die Motive der Täter kennen, um den Opfern besser helfen zu können. Schauer wünschte sich eine bessere Zusammenarbeit der Exekutivkräfte in den betroffenen Gebieten mit Nicht-Regierungsorganisationen. Eine verstärkte Polizeipräsenz alleine sei jedoch keine Lösung: "Dann geht alles in den Untergrund. Und das ist nicht besser."

Zwischen 1996 und 2003 wurden in einer tschechischen Grenzregion während einer "teilnehmenden Beobachtung" rund 500 Kinder gesehen, die vorwiegend deutschen Sextouristen angeboten wurden, berichtet Schauer. Als Zuhälter fungieren häufig Familienangehörige. Die Kinder werden zuweilen mit Drogen gefügig gemacht. KARO ortet eine zunehmende Nachfrage seitens der Sextouristen nach Kindern im vorpubertären Alter.

Schauer wünscht sich von der EU gezielt vergebene Fördergelder, um besser gegen die Zwangs- und Kinderprostitution vorgehen zu können. Ob das Problem in den Griff bekommen werden kann, kann Schauer jedoch nicht sagen. "Man muss zumindest etwas tun. Ob wir es schaffen, das gänzlich einzugrenzen, ist eine andere Frage." (apa/red)

7.11.2006 16:07