Montag, 6. November 2006

"Fall Stephanie" vor Dresdner Gericht: 14-Jährige wochenlang als "Sexsklavin" gequält

  • Tumulte im Landgericht: Angeklagter riss sich los

In Dresden hat der Prozess rund um das Aufsehen erregende Schicksal eines heute 14-jährigen Mädchens begonnen. Der Teenager war im Jänner entführt und von ihrem Peiniger wochenlang als "Sexsklavin" missbraucht worden. Das Mädchen musste offenbar unerträgliche Qualen ausstehen. So sei sie gezwungen worden, perverse Fantasien und Wünsche des Angeklagten zu erfüllen, behauptet die Anklage.

Zu Tumulten im Landgericht kam es, als der 36-jährige arbeitslose Anlagenbauer aus Dresden fünf Minuten nach Beginn der Anklageverlesung plötzlich aufsprang. Sechs Polizisten und Justizbeamten gelang es nur mit Mühe, dem sich wehrenden Mann die Handschellen anzulegen. Anschließend wurde er aus dem Gerichtssaal geführt.

Nach einer einstündigen Pause schilderte die Staatsanwältin das Martyrium von Stephanie. Der Angeklagte habe sie fünf Wochen in seiner Wohnung lang als seine "Sexsklavin" angesehen, sie körperlich misshandelt und ihre Gesundheit geschädigt. Der Beschuldigte hatte viele Taten mit einer Videokamera gefilmt. Er ist wegen Vergewaltigung, Geiselnahme, schweren sexuellen Kindesmissbrauchs und Körperverletzung angeklagt.

Laut Anklage hatte er die Entführung der Gymnasiastin lange vorbereitet, das Mädchen über sechs bis acht Wochen zuvor auf dem Schulweg beobachtet und Kleidung für den geplanten Missbrauch besorgt. Zudem baute er eine knapp ein Meter lange und 50 Zentimeter breite Sperrholzkiste. Dort sperrte er das Kind bis zu 35 Minuten lang gefesselt und geknebelt ein, wenn er die Wohnung verließ.

Der Angeklagte hatte die Auflistung der Taten nahezu reglos verfolgt. Zu seiner Person und den Vorwürfen äußerte er sich erst am Nachmittag unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Der Verteidiger kündigte ein Geständnis seines Mandanten an. (APA)

6.11.2006 16:10