Montag, 6. November 2006

Stromausfall in Westeuropa: E.ON über- nimmt Verantwortung - Leitungen überlastet

  • Leitung wegen Kreuzfahrtschiff außer Betrieb
  • Heimische Firmen wollen über 11 Mrd. € investieren

Der Energieriese E.ON hat die Verantwortung für den beispiellosen Stromausfall in weiten Teilen Westeuropas übernommen. "Ich bin besonders dankbar dafür, dass es nicht schlimmer gekommen ist, weil die Ursache bei E.ON lag", sagte E.ON-Energie-Vorstand Klaus-Dieter Maubach im ZDF. Der Blackout, durch den Millionen von Menschen im Dunkeln saßen, habe seinen Ursprung in Norddeutschland genommen.

Dort hatte die Meyer-Werft in Papenburg eine neues Kreuzfahrtschiff in die Nordsee auslaufen lassen wollen. Deshalb sei eine Leitung über die Ems stillgelegt worden. "Das war im Grunde genommen der Ursprung für diese Versorgungsstörung - dass wir dort eine Leitung außer Betrieb nehmen mussten und dass dort die Belastungen sich auf andere Leitungen verteilt haben, die später zu Überlastungen geführt haben", räumte Maubach ein. Nun will die Werft einen neuen Versuch starten, das Kreuzfahrtschiff "Norwegian Pearl" unter der Leitung hindurch in Richtung Nordsee auslaufen zu lassen.

Der erste Auslauf-Versuch war gescheitert, weil E.ON unmittelbar nach der Abschaltung und dem folgenden Stromausfall wieder Strom auf die Leitung gegeben hatte. Für Schiffe mit einer Höhe von rund 60 Metern sei es viel zu riskant, unter einer Hochspannungsleitung hindurchzufahren, die in Betrieb sei, betonte ein Sprecher der Werft. "Da könnte ein Funke überspringen oder die Leitungen könnten durchhängen."

E.ON wies die Kritik an angeblich unzureichenden Netzinvestitionen bereits zurück. "Die Netze sind in einem guten Zustand", sagte Maubach. Die E.ON-Tochter ist für den Stromtransport des größten deutschen Energiekonzerns zuständig und besitzt in Deutschland Stromleitungen mit einer Gesamtlänge von mehr als 32.000 Kilometern.

Durch den Stromausfall saßen unter anderem Menschen in mehreren österreichischen Bundesländern im Dunkeln. Auch in Teilen Frankreichs, Belgiens, der Niederlande, Italiens, Spaniens, Portugals und selbst in Marokko fiel der Strom bis zu eindreiviertel Stunden aus.

Die österreichischen Stromfirmen wollen bis 2015 in neue Stromleitungen und Kraftwerke mehr als 11 Mrd. Euro investieren, hatte es zuletzt zu Jahresbeginn aus der Branche geheißen. Davon sind rund 5,5 Mrd. Euro für Netze geplant.

Die Investitionen allein für den Lückenschluss im 380 kV-Höchstspannungsnetz beziffert der Verbund mit rund 550 Mio. Euro - es handelt sich dabei einerseits um die Verbindung vom burgenländischen Rothenturm ins steirische Kainachtal ("Steiermark-Leitung") und andererseits um die Leitung zwischen St. Peter/Ranshofen und Kaprun ("Salzburg-Leitung")

(apa/red)

6.11.2006 15:01