Behandlungsfehler in vielen Fällen? Grazer Brustkrebs-Experte wird nun suspendiert
- Expertenbericht belastet umstrittenen Arzt schwer
- Mediziner weist Vorwürfe zurück. LKH-Hotline eingerichtet
Im Fall jenes Grazer Brustkrebs-Experten, dem Behandlungsfehler vorgeworfen wurden, dürften sich die Vorwürfe erhärtet haben. Eine Expertenkommission belastete in ihrem Gutachten den Arzt schwer. Der Mediziner wehrte sich in einer Aussendung gegen die Anschuldigungen. Dennoch wird er vom Dienst suspendiert - "zum Schutz der Patientinnen und zu seinem eigenen Schutz", so das LKH Graz.
Das Gutachten soll den Arzt schwer belasten, der Fall soll an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet werden. Der Chirurg wird beschuldigt, in 30 Fällen Fehler bei der Behandlung begangen zu haben.
Seit Mai dieses Jahres laufen die Untersuchungen gegen den Brustkrebs-Spezialisten. Auslöser waren zwei Tupfer, die bei einer Operation vergessen wurden. Damals verhängte das LKH ein Operationsverbot über den Chirurgen und leitete weitere Maßnahmen ein, um die Vorfälle aufzuklären. Es wurde begonnen, die Patientinnen des betroffenen Arztes zu kontaktieren, um so eventuellen Behandlungsfehlern auf die Spur zu kommen. "Wir haben mit den Fällen von heuer begonnen und sind mittlerweile im Jahr 2004 angelangt", erklärte der ärztliche Leiter des LKH, Thomas Pieber. "Es hat aber nie eine Gefahr für Patientinnen gegeben", betonte der ärztliche Leiter.
In den Fällen, die den Gutachtern vorgelegt worden waren, war laut Pieber "die Aufklärung und Dokumentation nicht entsprechend, außerdem war die operative Versorgung nicht gegeben". Man habe als Sofortmaßnahme eine Hotline (0316/385 777) für betroffene Frauen eingerichtet.
Der betroffene Arzt meldete sich schriftlich zu Wort, da er sich im Ausland befand. "Das so genannte Gutachten selbst besteht insgesamt zwar aus vielen Seiten, konkrete Beweise enthält es allerdings nicht", so der Chirurg. "Es gibt keinen einzigen bestätigten Fall gegen mich", wehrte er sich. Weiters beschwerte er sich in der Aussendung: "Ich wurde auf verschiedenen Ebenen gemobbt. Ich dränge darauf, dass mein Ruf wiederhergestellt wird und die Gutachten offen gelegt werden." Den Grund für den "Rufmord", so der Arzt, sieht er unter anderem in seinen Plänen für ein eigenes Brustkrebszentrum, in dem Frauen die gesamte Behandlung erfahren könnten, ohne zu den verschieden Ärzten und Kliniken zu müssen. Derzeit wird in der Steiermark an 23 Krankenhäusern behandelt.
(APA/red)
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