Tempo 100 auf Autobahnen: Trotz breiter Ablehnung jetzt zwei neue Zonen auf A12
- Mehrheit der Autofahrer in Österreich dagegen
- Österreichweiter Protest gegen "sinnlose Maßnahme"
Plus: Neuer Tempo 160-Versuch startet am 6.11.

Autofahrer brauchen gute Nerven. Staus, lästige Beifahrer und, vor allem in Stadtgebieten, eine zum Teil endlose Suche nach einem Parkplatz für das geliebte Vehikel. Für so manchen Lenkrad-Akrobaten gibt es nun ein neues Ärgernis. Tempo 100 breitet sich auf heimischen Autobahnen aus. Ab sofort gelten auf der Inntalautobahn (A12) zwei neue Tempo-100-Zonen. Mitte Dezember folgen weitere Beschränkungs-Abschnitte in der Steiermark. Die Autofahrerklubs laufen Sturm. Die Landesregierung begründet die Maßnahme mit dem Schutz der Gesundheit, Schadstoffe sollen verringert werden.
In Tirol wird ab sofort die Tempo 100-Beschränkung im Winter auf Teile der Inntalautobahn (A12) ausgeweitet. Die Landesregierung begründete die Maßnahme mit dem Schutz der Gesundheit, Schadstoffe sollen verringert werden.
Zwischen Kufstein und Zirl westlich von Innsbruck gilt Tempo 100 erstmals. Zwischen Imst und Landeck wird Tempo 100 wieder wirksam. Hier war diese Maßnahme über den Sommer ausgesetzt worden. An beiden Abschnitten gilt Tempo 100 nur während des Winterhalbjahres, also von 1. November bis 30. April 2007. Bei Tempo 100 würden von Pkw um 46 Prozent weniger Schadstoffe ausgestoßen als bei Tempo 130. Dies gelte für Benziner und Diesel-Pkw, argumentiert die Landesregierung.
Vorbereitungen für flexible Tempolimits
In Vorarlberg laufen derzeit die Vorbereitungen für flexible Tempolimits auf der Rheintalautobahn (A14). Die Geschwindigkeit soll zukünftig bei hohen Belastungen - etwa großem Verkehrsaufkommen, Luftverfrachtungen, ungünstiger Wetterlage und starken Feinstaubbelastungen - herabgesetzt werden können. Dies könne aber erst geschehen, wenn 2008 und 2009 die immissionsgesteuerten Verkehrslenkungsanlagen auf der A14 installiert würden, informierte Umwelt-Landesrat Erich Schwärzler. Er hoffe, die Asfinag werde diesbezüglich ihre Zusage einhalten.
Die Verordnung zur Feinstaubreduktion in der Grünen Mark wird erst am 15. Dezember erlassen, die Beschränkungen auf den steirischen Straßen sind aber bereits fixiert. Das bedeutet auf betroffenen Autobahnabschnitten bzw. Freilandstraßen Tempo 100 bzw. 80. Umweltlandesrat Manfred Wegscheider (S) forderte in seinem jüngsten Entwurf Maßnahmen für ein 333 Gemeinden umfassendes Sanierungsgebiet. Die zusätzlichen Straßenschilder sind laut Asfinag bereits bestellt.
Der im Sommer vorgestellte Entwurf der Maßnahmenverordnung nach dem Immissionsschutzgesetz Luft wurde Mitte Oktober mit der Präsentation einer neuen und entschärften Verordnung abgelöst. Als fix gilt nun, dass 333 steirische Gemeinden in das Sanierungsgebiet fallen, wo auf Autobahnen und Schnellstraßen Tempo 100 vorgeschrieben wird und auf Freilandstraßen 80 Kilometer pro Stunde erlaubt sein werden. Die Maßnahmen gelten ab dem 15. Dezember bis zum 14. März 2007, also einen Tag weniger als drei Monate. Der Hintergrund: Verordnungen, die sich über drei Monate erstrecken, können theoretisch vom Verkehrsminister für ungültig erklärt werden.
"Ich hebe es sicher auf"
Eben diesen Schritt will Gorbach auch setzen: "Ich hebe es sicher auf", meinte er bei einer Pressekonferenz in Wien. Für ihn seien die geplanten Limits eine "fadenscheinige Aktion von jenen, die sich ein grünes Mäntelchen umhängen wollen".
Der ARBÖ kündigtean, seine Unterschriftenaktion gegen diese Geschwindigkeitslimits auf ganz Österreich auszuweiten. "Ab sofort können alle Autofahrer gegen diese sinnlose Maßnahme protestieren", so ARBÖ-Geschäftsführer Leo Musil. Bisher gab es diese Unterschriftenaktion nur in Oberösterreich und Tirol. Im Land ober der Enns haben bisher 3.100 Autofahrer gegen Tempo 100 zwischen Haid und Sattledt unterschrieben, in Tirol waren es 3.600.
ÖAMTC-Kritik
Kritik übte auch der ÖAMTC: "Dass sich Geschwindigkeits-Beschränkungen zunehmend als ungeeignete Maßnahme zur Schadstoffreduktion herausstellen, ist bekannt. Daher ist die Ablehnung bei den Autofahrern auch so groß", so Mario Rohracher, Chef der ÖAMTC-Interessenvertretung. Drei von vier Autofahrern seien gegen Tempo 100, wie eine vom Touringclub im September durchgeführte Befragung unter 1.100 österreichischen Autofahrern gezeigt hat.
Da die Beschränkungen auf Grund des Immissionschutzgesetzes Luft erlassen werden, drohen bei Verstößen empfindliche Strafen: Fällig werden bis zu 2.180 Euro.
(apa/red)
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