Donnerstag, 2. November 2006

Gletscher schmelzen immer schneller:
Bei Greenpeace schrillen Alarmglocken

  • Österreich: Bis 2050 alle kleinen Gletscher weg?
  • Auswirkungen für Klima: Muren, Überschwemmungen

Die Gletscher schmelzen immer schneller: Nach dem in Berlin von Greenpeace präsentierten Report "Alarm für die Gletscher" ist von 1991 bis 2004 doppelt so viel Masse abgeschmolzen wie im Zeitraum von 1961 bis 1990. "Die neuen Erkenntnisse sind alarmierend. Der Klimawandel ist da, und zwar mit Tempo 160", so Experte Erwin Mayer.

Insbesondere in den Jahren 2001 bis 2004 ist die Abschmelzrate der Gletscher Greenpeace zufolge noch einmal kräftig angestiegen. Österreich mit seinen im Vergleich zur Schweiz um einige hundert Metern tiefer gelegenen Gletschern wird bis 2050 mit großer Wahrscheinlichkeit alle kleinen Gletscher verloren haben und selbst die Großen, wie die Pasterze am Großglockner schrumpfen dramatisch. "Das erste wegen Tauwetter abgesagte Gletscherskirennen in Sölden vor zwei Wochen wird kein Einzelfall bleiben", warnte Mayer.

Für die Alpenregion bedeutet ein Rückgang der Gletscher, so Greenpeace, dass es in den nächsten Jahren vermehrt zu Murenabgängen und Erdrutschen kommen wird, weil sich die Permafrost-Grenze immer weiter nach oben verschiebt. Auch Überschwemmungen werden zunehmen. Weltweit fürchten Wissenschafter vor allem das Abschmelzen der Polkappen. Überflutungen infolge steigender Meeresspiegel könnten bis zu hundert Millionen Menschen zu Klimaflüchtlingen machen.

Kritik an der Politik
Seitens der Verantwortlichen wird der Umweltorganisation viel zu wenig unternommen. "Uns schmelzen die Gletscher vor den Augen weg, doch die Politiker setzen weiter Schritte zur Erhöhung des Treibhausgasaustoßes, anstatt diesen zu senken", kritisierte Mayer. "Die nächsten zehn Jahre sind entscheidend. Deshalb müssen alle Staaten ihr Äußerstes versuchen, um den Ausstoß der Klimagase endlich drastisch abzusenken. Kosmetische Korrekturen reichen nicht."

Anlass für die Veröffentlichung des Reports ist der Beginn der UN-Klimaschutzkonferenz in Nairobi (Kenia) am kommenden Montag. Dort verhandeln die Staaten über zukünftige Maßnahmen zur Verringerung von Treibhausgasen. Greenpeace fordert vor allem die Industrieländer auf, schnell zu handeln und konsequent das Klima zu schützen, nachdem sie viel zu wenig unternommen haben. Österreich als ein besonders stark betroffenes Land der Gletscherschmelze hat von 1990 bis 2003 den Ausstoß an Treibhausgase mit 16,5 Prozent stärker erhöht als die USA mit 13,3 Prozent.

(apa/red)

2.11.2006 13:51