Gutes Zeugnis bei Standort-Ranking: Österreich auf Platz 7 - Deutschland Letzter
- Irland liegt an der Spitze vor Norwegen und USA
- Bertelsmann-Stiftung sieht deutschen Aufwärtstrend
Deutschland bleibt im internationalen Standort-Ranking der Bertelsmann-Stiftung trotz aller Reformanstrengungen und dem kräftigsten Wirtschaftswachstum seit fünf Jahren Schlusslicht im Vergleich von 21 Industrienationen. Allerdings ortet die Bertelsmann-Stiftung einen Aufwärtstrend. Österreich nimmt im Erfolgsindex, dem Kern des Internationalen Standort-Rankings, unverändert den 7. Platz ein. An erster Stelle liegt Irland, gefolgt von Norwegen, den USA, Australien und Neuseeland.
Bewertet wird im Erfolgsindex wie erfolgreich eine Volkswirtschaft hinsichtlich Arbeitsmarktentwicklung und Wirtschaftswachstum ist. Ein weiteres Kriterium ist der Aktivitätsindex, der als Indikator für die Unterschiede im wachstums- und beschäftigungspolitischen Erfolg zwischen den einzelnen Ländern gilt. Hier liegt Österreich auf dem 10. Platz, Deutschland auf dem 15. Platz. An erster Stelle des Aktivitätsindex 2005 befindet sich Norwegen, gefolgt Australien, den Niederlanden und Irland.
Für 2007 zeichne sich im Standortranking der Bertelsmann-Stiftung für Deutschland ein leichter Aufwärtstrend ab, teilte die Stiftung am Donnerstag mit. Vor allem wegen der erwarteten rückläufigen Arbeitslosigkeit könnte sich Deutschland voraussichtlich auf Rang 19 verbessern.
Arbeitsmarkt drückt Deutschland
Die größte Herausforderung in Deutschland und Ursache für das trübe Bild des Standorts ist der Studie zufolge trotz leichter Belebung die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Für ältere Arbeitnehmer und Langzeitarbeitslose stünden die Chancen schlecht. Langzeitarbeitslose hätten einen Anteil von 54 Prozent an den Arbeitslosenzahlen. Das sei der höchste Anteil unter allen beteiligten Ländern. Zudem sei die Arbeitslosenquote mit 8,9 Prozent nach standardisierten OECD-Zahlen weiter auf hohem Niveau - der Mittelwert der 21 Nationen liege bei 6,2 Prozent, 0,4 Prozentpunkte weniger als 2004. Dass die Arbeitslosigkeit in Deutschland trotz guter Konjunktur nicht wesentlich sinke, sei ein Zeichen für "strukturelle Ursachen".
Gleichzeitig urteilte die Stiftung, das im internationalen Vergleich schwache Wirtschaftswachstum und das mit umgerechnet 30.140 US-Dollar vergleichsweise geringe Pro-Kopf-Einkommen hätten das Ergebnis Deutschlands beeinflusst. Dieser Wert sei neun Prozent geringer als der Länderdurchschnitt, insgesamt liege das Pro-Kopf- Einkommen in 15 der 21 Staaten höher als in Deutschland. Die Produktionskapazitäten stiegen derweil in den Staaten des Rankings in den vergangenen zehn Jahren um 2,5 Prozent, in Deutschland pendelte der Wert um 1,5 Prozent.
Zwar werde in diesem Jahr erstmals seit 2001 die Maastricht-Grenze beim Staatsdefizit von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts unterschritten, die Stiftung forderte aber "mutigere Einschnitte auf der Ausgabenseite". "Wie internationale Studien zeigen, hat die Mehrzahl der Staaten, die in der Vergangenheit ihren Haushalt nachhaltig konsolidieren konnten, neben der Erhöhung von Steuern und Abgaben vor allem auf eine Senkung der staatlichen Ausgaben gesetzt", sagte Johannes Meier, Vorstandsmitglied der Stiftung.
(apa/red)
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