Donnerstag, 2. November 2006

Sabotage durch Chemikalie? 1.500 Stück Euro-Geldscheine in Deutschland zerfallen!

  • Nationalbank: Vorerst keine Fälle in Österreich

Zerbröselnde Geldscheine geben der deutschen Polizei und der Bundesbank Rätsel auf: Seit Juni sind vor allem in Nord- und Ostdeutschland rund 1.500 Euro-Noten im normalen Gebrauch auseinander gefallen. In Österreich wurde vorerst kein Fall bekannt, wie Stefan Augustin von der Oesterreichischen Nationalbank auf Anfrage der APA berichtete.

Die Deutsche Bundesbank bestätigte in Frankfurt einen entsprechenden Bericht der "Bild"-Zeitung. Auslöser seien Säuren, wie sie beispielsweise in Industriereinigern vorkämen. Beim Körperkontakt, etwa bei der Entnahme aus einem Geldautomaten, brächen die Scheine entzwei. Die Landeskriminalämter (LKA) von Rheinland- Pfalz und Berlin identifizierten die Substanz als Schwefelsäure.

Bei normalem Umgang bestehe keine Gesundheitsgefahr. Nach Angaben des deutschen Innenministeriums besteht die Vermutung, dass das Zerbröseln der Scheine mit Geldautomaten zusammenhängt.

Nach Angaben der Bundesbank traten die ersten schadhaften Scheine im Raum Berlin auf. Später wurden der "Bild"-Zeitung zufolge auch Fälle aus weiteren Städten wie Karlsruhe, Gießen, Kiel, Düsseldorf, Rostock und Freiburg gemeldet. Betroffen waren Scheine bis zum Wert von 100 Euro. Vorerst blieb ungeklärt, wie die Chemikalien auf die Scheine gelangten und ob dies absichtlich oder versehentlich geschah.

"Sollten solche Banknoten - zum Beispiel über Touristen - nach Österreich gelangen, tauschen wir die Scheine anstandslos um", betonte Augustin von der OeNB. Vorausgesetzt, dass mehr als die Hälfte des zerstörten Scheins übrig ist.

Mögliche Erklärungen für den Fall aus Deutschland wären, "dass eine hohe Stückzahl von Banknoten in einen Säurebehälter gefallen oder Batteriesäure darüber ausgelaufen ist", so der Experte. Wenn Scheine mit Säure in Berührung kommen, erhöht sich im Zuge der Austrocknung die Säurekonzentration. "Wird sie zu hoch, bricht die Banknote."

Banknoten werden heute so umweltverträglich wie nur möglich produziert, berichtete Augustin. "Sie sind nicht für die Ewigkeit gedacht." In Europa sind etwa zehn Milliarden Euro-Banknoten in Umlauf, die OeNB gibt jährlich eine Milliarde Euro-Banknoten aus. 1.000 zerfallene Scheine sind in Relation dazu eine geringe Menge. (apa)

2.11.2006 15:02