Mittwoch, 1. November 2006

Gründungstagung in Wien: Internationale Gewerkschaften neu zusammengeschlossen

  • Neuer Bund wird 181 Millionen Mitglieder haben
  • Fischer in Eröffnungsrede: "Verbündete suchen"

Die Gründung des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) ist in Wien erfolgreich über die Bühne gegangen. "Noch nie hat es in der Geschichte der Gewerkschaftsbewegung eine so große Versammlung gegeben", erinnerte der frühere Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB), Emilio Gabaglio, der bei der Neugründung federführend war. Bisher sei die Geschichte der Gewerkschaftsbewegung von Spaltung geprägt gewesen, nun könne man ein neues Kapitel aufschlagen.

Gabaglio meinte auch, dass nun alle Grundvoraussetzungen erfüllt seien, diesen Schritt zu tun. Konkret meine er die Auflösung der beiden Vorgängerorganisationen, des sozialdemokratischen Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften (IBFG) und des christlich orientierten Weltverbandes der Arbeitnehmer (WVA), "Die Welt rückt immer näher zusammen, alles hängt voneinander ab", gab Gabaglio die Stoßrichtung vor, man müsse nun "offensiver werden".

Willy Thys, bisheriger Generalsekretär des WVA, teilte mit, dass die Auflösung seines Verbandes am Tag zuvor mit 95 Prozent der Stimmen beschlossen worden sei. "Es ist sehr emotionsgeladen, wenn wir diesen Schritt tun", meinte er weiter, "ich bin aber davon überzeugt, dass auch dieses Kapitel ein großartiges wird".

Ebenso optimistisch in die Zukunft blickte Guy Ryder, bisheriger Generalsekretär des IBFG. Beim Auflösungskongress sei klargestellt worden, "dass wir weiter hinter einem demokratischen und unabhängigen Gewerkschaftswesen stehen". Der IGB werde ein "effektives und mächtiges Instrument" sein, "das die Arbeitnehmer brauchen".

Bundespräsident Heinz Fischer begrüßte bei seiner Eröffnungsrede den Einsatz des IGB für den Frieden. "Ich bin ein überzeugter Anhänger der Gewerkschaftsidee", meinte er außerdem, diese sei ein "wichtiger, unverzichtbarer Bestandteil einer demokratischen Gesellschaft". Nun gelte es, nach diesem historischen Zusammenschluss "Verbündete zu suchen".

Zuvor hatte Rudolf Hundstorfer, Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB), die Gewerkschaftsbewegung ermahnt, sich nicht zur Ruhe zu setzen. Er erinnerte auch daran, dass die Zusammenarbeit von Christ- und Sozialdemokraten in Österreich bereits gepflogen werde. Gerade die jüngsten Ereignisse rund um den ÖGB - "welche Ihnen sicher nicht verborgen geblieben sind" - würden die Einigkeit und Geschlossenheit seiner Organisation auf eine harte Probe stellen.

(apa/red)

1.11.2006 12:08