Samstag, 30. Dezember 2006

Saddam Hussein ist tot: Leichen pflasterten seine politische Karriere - DAS PORTRÄT

  • Grenzenloser Machthunger des langjährigen Diktators
  • 1980 Angriff auf Nachbar Iran, Sturz 2003 eingeleitet

Saddam Hussein zeigte sich gern in der Pose eines antiken Herrschers, der allen Angreifern mit erhobenem Schwert entgegen tritt. Nach dem Sturz durch amerikanische und britische Truppen im April 2003 tauchte er unter, wurde jedoch acht Monate später gefangen genommen. Es folgte ein langwieriger Prozess, der mit dem Todesurteil endete. Die irakische Justiz beeilte sich, Saddam Hussein zum Strang zu führen.

Damit endet ein langes Kapitel der Gewalt in der Geschichte Iraks, auch wenn ein Ende des Blutvergießens immer noch nicht abzusehen ist. Saddam Hussein schreckte während seiner gut 23 Jahre währenden brutalen Herrschaft nie vor Gewalt zurück. Er ließ jeden aus dem Weg räumen, der seine Position in Frage stellte oder ihm einfach nicht gefiel. Wiederholt forderte er die Staatengemeinschaft heraus, doch erst die Konfrontation mit den USA endete mit seinem Sturz.

In den acht Monaten auf der Flucht wandte sich Saddam Hussein in Tonbändern an die Iraker und forderte sie zum Widerstand gegen die Besatzungstruppen auf. Gefangen genommen wurde er schließlich im Dezember 2003 in einem Erdloch nahe seiner Heimatstadt Tikrit. Seitdem waren von dem einstigen Machthaber erniedrigende Fotos zu sehen, wie er in einem Käfig vor seinen Richtern saß. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe von Verbrechen gegen die Menschlichkeit hat er stets bestritten.

Geboren wurde Saddam Hussein am 28. April 1937 als Bauernsohn. Er wuchs ohne Vater auf. Auf dem Weg an die Macht ging er über Leichen. 1959 gehörte er zu den Attentätern, die den damaligen Machthaber General Abdel-Karim Kassem ermorden wollten. Der Versuch schlug fehl, Saddam Hussein wurde verletzt und musste ins Ausland fliehen. Aber er kehrte in den Irak zurück, nachdem die Arabische Sozialistische Baath-Partei Kassem 1964 in einem Putsch ermordet hatte, an dem Saddam Hussein mitwirkte.

Saddam Hussein wurde schnell zum starken Mann hinter Ahmed Hassan al Bakr, einem Vetter mütterlicherseits, den er schließlich im Juli 1979 stürzte. Der anschließenden Säuberungswelle in der Baath-Partei fielen 22 ranghohe Parteimitglieder zum Opfer, zum Teil soll sich Saddam Hussein selbst an den Hinrichtungen beteiligt haben. Seine Herrschaft gründete er auf Gewalt und Angst. In der Öffentlichkeit stellte er sich aber gern als liebender Landesvater dar.

Während des iranisch-irakischen Krieges von 1980 bis 1988 ging Saddam Hussein wiederholt gegen Volksgruppen vor, die er verdächtigte, mit dem Feind zusammenzuarbeiten. Die Militäraktionen in den kurdischen Gebieten kosteten vermutlich rund 180.000 Menschen das Leben, allein 5.000 fielen einem Giftgasangriff zum Opfer. Mit Panzern ließ er den Aufstand der Schiiten im Süden des Landes niederschlagen.

Seine 23 Jahre währende Herrschaft brachte der früheren britischen Kolonie aber auch die längste Zeit innerer Stabilität. Mit den Einnahmen aus den riesigen Erdölvorkommen startete Saddam Hussein in den 70er Jahren ehrgeizige Sozialprogramme und Wirtschaftsreformen. Die Alphabetisierungsrate stieg von 30 auf 70 Prozent, den höchsten Wert in einem arabischen Land.

Saddam Husseins Streben nach Macht richtete den Irak aber letztlich zu Grunde. Im achtjährigen Krieg gegen den Iran verarmte das Land, hunderttausende Soldaten wurden auf beiden Seiten getötet. Seine Niederlage verhinderten nur die Waffenlieferungen aus dem Westen, der einen Sieg der Fundamentalisten im Iran fürchtete.

Mit dieser Freundschaft war es nach dem Angriff auf Kuwait Mitte 1990 vorbei. Es kam zum ersten Irak-Krieg unter Führung der USA, in dem den irakischen Streitkräften schwere Verluste zugefügt wurden. Die danach verhängten UN-Sanktion ließen das Land weiter verarmen. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 forcierte US-Präsident George W. Bush dann Pläne zum Sturz Saddam Husseins, die sein Vater 1991 noch abgelehnt hatte.

In der arabischen Welt wäre vielen ein schwacher Saddam Hussein, der von den USA und Großbritannien in Schach gehalten wird, allerdings lieber gewesen als sein Sturz. Für viele einfache Menschen in der Region wurde Saddam Hussein mit seinem Widerstand gegen die USA zum Helden. Seine sunnitischen Anhänger im Irak brandmarkten den Prozess gegen ihn als Versuch der lange Zeit unterdrückten Schiiten und Kurden, alte Rechnungen zu begleichen.

Saddam Hussein persönlich vertraute nur seinen beiden Söhnen Qusai und Udai, die im Juli 2003 von US-Soldaten erschossen wurden. Seine beiden ältesten Töchter Raghad und Rana sind nach Jordanien geflohen, deren jüngere Schwester Hala soll bei ihrer Mutter leben, ebenfalls im Ausland.

(apa/re)

30.12.2006 07:55